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Kolumne Post aus Dresden
Keine Lust auf Kohl

FOTO: Sebastian Schubert / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Die B 184 ist eine Bundesstraße ohne besondere Bedeutung. Unter den Bundesstraßen hat sie es nicht einmal unter die Top 100 geschafft. Sie ist weder lang noch kurz, sie führt auch nicht gerade weit. Von Christine Keilholz

Irgendwo bei Magdeburg entspringt die Trasse im Nichts und schafft es gerade mal bis Leipzig, wo sie mit einem großen Happs verschluckt wird von der B 2, noch bevor sie die Freuden des Innenstadtlebens zu Gesicht bekommt. Dazwischen erweist die B184 ein paar Städtchen die Ehre und trennt ansonsten über weite Strecken Maisfelder von Weizenfeldern. Das Städtchen Delitzsch wurde vor einiger Zeit mit einer Ortsumfahrung beglückt, seitdem tuckert die B184 mürrisch daran vorbei. Zwischen Dessau und Roßlau führt die Straße über die Elbe.Und eben hier ist die B184 seit einigen Wochen Gegenstand hellster Aufregung. Denn die Stadt Dessau will einen Teil der Bundesstraße in „Dr.-Helmut-Kohl-Chaussee“ umbenennen. Der Antrag kam, man ahnt es längst, von der CDU-Fraktion im Stadtrat und fand in demselben im Oktober eine Mehrheit. Soeben ist der Beschluss rechtskräftig geworden, demnächst soll die Straße neue Schilder bekommen.

Doch nun regt sich Widerstand. Kritiker des im vergangenen Jahr verstorbenen Altkanzlers und seiner Dessauer Straße haben eine Online-Petition gegen den neuen Namen angezettelt, die bereits 248 Menschen unterschrieben haben. Auch in anderen Städten in Sachsen-Anhalt wird übrigens über Ähnliches gestritten. Die Chemiestadt Leuna war launisch, als sie eine Kohlstraße bekommen sollte. Spergau war sperrig und in Burg verschanzte sich gar eine Bürgerinitiative gegen das Vorhaben.

Anwohner in Dessau führen zudem die Kosten ins Feld, die durch neue Briefköpfe, Adressstempel und Ausweise entstehen würden. Das aber weist die Stadtverwaltung weit von sich. Für die Anwohner, heißt es dort, ändere sich nichts. Erst wer neue Papiere braucht, bekommt sie auf den Namen Helmut Kohls ausgestellt.