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Keine Konsummonster

Kinder besitzen in Deutschland mehr Geld denn je. In diesem Satz der „Kids-Verbraucheranalyse 2003“ schwingt irgendwie ein unausgesprochener Vorwurf mit.

Geht's unseren Kindern zu gut„ Haben sie zu viel Kohle, machen wir Eltern etwas falsch“
Die Fragen sind nicht einfach zu beantworten. Es hat erst mal objektive Gründe, dass mehr Geld unter den Kids ist, als in früheren Jahren. Unsere Mädchen und Jungen werden sehr viel eher als Kinder früherer Generationen selbstständiger, reifer, selbstbewusster. Sie entwickeln beizeiten spezifische Interessen und sparen zum Beispiel gezielt darauf hin, sich bestimmte Wünsche zu erfüllen. Das wissen mittlerweile Eltern, Großeltern und andere Verwandte und schenken Geld, damit sich die Kinder, Enkel, Neffen auch wirklich freuen über das Präsent.
Ein zweiter Grund: Genauso wie in der Welt der Erwachsenen werden auch bei Kindern für besondere Leistungen in den Familien zunehmend Prämien ausgelobt: Für verbesserte Noten in der Schule, für Tore im Fußball-Punktspiel oder ein Super-Klavierkonzert im Konservatorium. Warum auch nicht? Die Erwachsenenwelt ist extrem leistungsorientiert, das sollten auch unsere Kids in gewissem Maße schon beizeiten mitbekommen.
In gewissem Maße, ohne Übertreibung - daran sollten wir Erwachsenen immer denken. Und vor allem ein offenes Wort über Geld sollte in Familien nicht tabu sein. Es schärft auch bei den Jüngsten den Blick dafür, dass Geld hart erarbeitet werden muss und dass nur verteilt werden kann, was da ist.
Kinder sollten wissen, welche Ausgaben die Familie zu bestreiten hat. Dann werden sie auch verstehen, dass Taschengeld nicht losgelöst vom Familienbudget zu verteilen ist.
An den Kindern wird zuletzt gespart - heißt eine Redewendung. Und dabei sollte es wirklich nicht nur ums liebe Geld gehen.
Zeit - oft knapp wie Euros - die wir mit unseren Töchtern und Söhnen verbringen, ist für sie oft viel kostbarer als Geld. Auch wenn sie mitunter so cool wirken, unsere Kids. Sie sind Kinder und in ihrer großen Mehrzahl keine Konsummonster. Dazu werden sie nur, wenn wir Eltern nicht aufpassen und es zulassen, dass sie uns und andere mit Markenmanie terrorisieren.