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| 19:21 Uhr

Leitartikel Zu Lage der CSU
Kein Wunder in Sicht

Von Hagen Strauß
Von Hagen Strauß FOTO: LR / Redaktion
Vergelt’s Gott, endlich ist es vorbei. An diesem Sonntag haben die Bayern die Wahl. Dann endet hoffentlich auch die quälende Zeit, in der die schwarz-rote Koalition in Berlin getrieben worden ist von in Panik geratenen Führungsfiguren der CSU.

Gleich zweimal bis an den Rand des Bruchs.

Glaubt man den Umfragen, ist selbst ein Absturz unter die 35 Prozent möglich. Zwar sind die Demoskopen bei den letzten Wahlen alles andere als treffsicher gewesen. Das ist der Strohhalm, an den sich die CSU und ihre Funktionäre klammern. Und wenn Politiker nicht mehr weiterwissen, dann argumentieren sie gerne damit, dass sie die Stimmung auf den Straßen und Plätzen ganz anders wahrnehmen als die Meinungsforscher erklären. So auch Markus Söder, der Ministerpräsident, so auch Horst Seehofer, der Parteichef.

Doch es müsste schon ein weiß-blaues Wunder geschehen, damit der Absturz wie tief auch immer ausbleibt. Denn die frühere Staatspartei hat sich schlichtweg von ihrem Wahlvolk und seinen Problemen entfernt. Die Bayern denken deutlich moderner, als die vielen Traditionalisten in der CSU immer noch glauben. Hinzu kommt der erbitterte Machtkampf zwischen Söder und Seehofer, der auch nach der Ämteraufteilung im letzten Jahr nicht geendet hat, sondern bis heute weitergeht. Und das nicht einmal versteckt, sondern auf offener Bühne. Der Streit hat selbst die Treusten der Treuen angewidert und zu anderen Parteien wechseln lassen.

So ist die Lage der CSU. Kurioserweise können sich aus einem miesen Wahlergebnis der Christsozialen Chancen für den Rest der Republik ergeben. Denn eine zusammengestauchte CSU müsste in der schwarz-roten Koalition deutlich konstruktiver und kooperativer auftreten. Selbst ein Sturz von Horst Seehofer würde das Bündnis nicht in Turbulenzen stürzen, im Gegenteil. Angela Merkel und Andrea Nahles dürften vermutlich ein Fläschchen Rotwein öffnen, wenn sie den quertreibenden Innenminister endlich wieder los sind. Die Kanzlerin allemal, die mit Seehofer wegen seiner harten Attacken in den Flüchtlingspolitik schon lange gebrochen hat. Außerdem wäre die Einzigartigkeit der CSU im bundesrepublikanischen Machtgefüge nach einer Wähler-Watschen futsch und die bayerische Landesregierung nur noch eine wie jede andere.

Bei allen Turbulenzen, die die CSU dann erfassen werden, Gefahr für die Koalition droht in den nächsten Wochen eher von woanders  – nämlich seitens der SPD. Eine deftige Niederlage in Bayern haben die Sozialdemokraten schon eingepreist. Sie hat Tradition. Zehn Prozent oder knapp darüber wäre freilich auch für hartgesottene Verlierer starker Tobak. Und was, wenn auch die darauffolgende Landtagswahl in Hessen für die Genossen zu einem Debakel wird? Dann könnte in der Partei der Aufstand ausbrechen  gegen die Vorsitzende Nahles, gegen den Verbleib in der ohnehin ungeliebten Großen Koalition. Gegen dieses Beben wäre das erwartete  bayerische am Sonntag dann doch eher ein schwaches.

politik@lr-online.de