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| 01:43 Uhr

Kein Selbstläufer

Kommentar. „Schaut auf diese Stadt“ – in der es Rot-Grün nicht geschafft hat, eine Koalition zu zimmern. Wegen einer drei Kilometer langen Autobahn. Hagen Strauß

Das peinliche Scheitern der Koalitionsverhandlungen von SPD und Grünen in Berlin hat auch bundespolitische Weiterungen. Rot und Grün, ein solches Bündnis ist längst kein Selbstläufer. Das wird Sigmar Gabriel ärgern - und Angela Merkel freuen. Die Union hat ihre siechende FDP, die SPD hat die bockigen Grünen am Hals und umgekehrt. Beide Parteien haben in Berlin bewiesen, dass sie sich lieber im Kleinklein zerlegen und über die Koch- und Kellner-Rolle streiten als die wichtigen Probleme der Stadt anzupacken.

Dahinter steckt jedoch auch ein bundespolitisches Signal: All jene, die bereits das Totenglöckchen für die schwarz-gelbe Koalition im Bund geläutet haben, werden nun zur Kenntnis nehmen müssen, dass eine rot-grüne Regierung nicht unbedingt ein Garant für neue Stabilität und Verlässlichkeit wäre. Die Ereignisse in Berlin lehren genau das Gegenteil.

Außerdem weiß man: So sehr die Parteioberen beider Seiten auch auf Harmonie machen, der Teufel hat bei der Zusammenarbeit von Sozialdemokraten und Grünen schon immer im hart umkämpften Detail gesteckt. Das gilt übrigens auch für Grün-Rot, wie man derzeit ganz gut in Stuttgart beobachten kann. Wenn also FDP und Union in diesen Krisenzeiten nur von einem zum anderen Euro-Beschluss taumeln, und SPD und Grüne offenbar kaum verlässlicher sind - warum dann nicht gleich eine erneute Große Koalition im Bund? Diese Debatte wird wieder aufkommen. Spätestens dann, wenn sich in Berlin tatsächlich ein Bündnis von SPD und Union anbahnen sollte.

politik@lr-online.de