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| 18:41 Uhr

Kemmentar
Kampf der Lobbyistenin einem Milliardenmarkt

 Hajo Zenker
Hajo Zenker FOTO: MOZ
Die gute Nachricht zuerst: Rezeptpflichtige Medikamente sollen nach dem Willen von Gesundheitsminister Jens Spahn weiterhin per Post kommen können, etwa auch aus Holland. Das leuchtet ein. Denn wenn Videosprechstunden zur Normalität werden sollen, gehört das Bestellen der nötigen Arznei im Internet logischerweise dazu. Von Hajo Zenker

Die schlechte Nachricht ist: Im Internet soll es künftig nicht mehr billiger, sondern genauso teuer sein wie beim Apotheker am Markt. Der Minister will Online-Händlern aus anderen EU-Ländern nämlich nicht mehr erlauben, Rabatte auf Bestellungen einzuräumen. Dabei hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) bereits 2016 ganz klar geurteilt, dass ausländische Anbieter von der deutschen Preisbindung ausgenommen sind.

Das haben die niedergelassenen Pharmazeuten hierzulande niemals akzeptiert. Seit dem Urteil setzen sie deshalb alles daran, den Versandhandel ganz zu verbieten, zumindest aber günstigere Preise zu verhindern. Ersteres ist nicht gelungen, Letzteres könnte jetzt klappen. Die Apotheker haben nämlich in der Union viele Freunde, sie gelten als Lobby in einem Milliardenmarkt, mit der man sich besser nicht anlegt. Das dürfte der eigentliche Grund sein, weshalb Spahn das EuGH-Urteil ignorieren will – und somit das laufende Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission gegen Deutschland. Damit legt er sich nicht nur mit Brüssel an. Sondern vor allem auch mit all denjenigen, für die es einen Unterschied macht, ob ihr Medikament zwei, drei Euro mehr oder weniger kostet.

politik@lr-online.de