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Kommentar Vorstoß zur Cannabis-Freigabe
(K)ein Herz für Kiffer

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Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Wenn ausgerechnet ein Vertreter der Polizei jetzt fordert, das Verbot von Cannabis zu kippen, dann sicherlich nicht, weil er plötzlich sein Herz für Kiffer entdeckt hat. Von Hagen Strauß

Laut Bundesregierung konsumieren schätzungsweise rund drei Millionen Bürger Cannabis. Pro Jahr gibt es ausweislich der Kriminalstatistik rund 140 000 Strafverfahren wegen des Besitzes geringer Mengen. Konsumenten zu verfolgen und dann zu belangen, bindet Ressourcen, die woanders dringender benötigt werden. Eine Freigabe oder zumindest eine kontrollierte Abgabe würden Polizei und Justiz also erheblich entlasten. Darum geht es. Eigennutz steckt hinter dem Vorstoß der Kriminalbeamten.

Wie widerwillig aber Teile der Politik mit der seit Jahren diskutierten Legalisierung von Cannabis umgehen, hat sich noch einmal bei den Jamaika-Sondierungen gezeigt. FDP und Grüne waren dafür, die Union wie immer dagegen. Auch eine neue Groko wird an dem Ist-Zustand vermutlich nichts ändern wollen, um Kiffern das Leben angenehmer zu machen. Dagegen spricht allein schon die Tatsache, dass sich Union und SPD in der vergangenen Legislaturperiode nur mit Mühe darauf verständigen konnten, wenigstens schwerkranken Patienten den Zugang zu Cannabis zu erleichtern.

Also wird auch der Vorstoß der Kriminalbeamten in der Schublade verschwinden, in der schon so viele Bundestagsanträge von Grünen und Linken liegen. Und das ist auch gut so. In den vergangenen Jahren haben Politik und Gesellschaft vieles dafür getan, den Alkoholmissbrauch zu bekämpfen und das Rauchen deutlich einzudämmen. Nachweislich mit Erfolg. Eine Freigabe von Cannabis würde nur neue Probleme schaffen, die man dann auch wieder zurückdrängen müsste. Wenn man demzufolge die Polizei entlasten will, dann bitteschön mit mehr Personal – und nicht damit, Delikte einfach zu entkriminalisieren, nur weil sie mit viel Arbeit verbunden sind.