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| 16:31 Uhr

Kommentar Woidke im Nahen Osten
Macht es gemeinsam!

Benjamin Lassiwe
Benjamin Lassiwe FOTO: Redaktion / LR
Palästinenserpräsident Abbas wirft den Juden vor, Schuld am Holocaust zu sein. Und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu unternimmt alles, um das Atomabkommen mit dem Iran zu torpedieren. In dieser Situation reist Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke nach Israel und Palästina. „Dietmar wer?“, werden die meisten Israelis fragen. Und das zu Recht. Denn tatsächlich spielt eine Auslandsreise eines Brandenburger Ministerpräsidenten im Gastland keine große Rolle. Die Präsenz einheimischer Presse war während des Besuchs nicht wahrnehmbar, in der Öffentlichkeit fand Woidkes Visite schlicht nicht statt. Von Benjamin Lassiwe

Und dennoch war der Besuch im Heiligen Land ein wichtiges Signal dafür, wie sehr Brandenburg an der Seite Israels steht. Immer wieder hat sich Woidke in seinen Ansprachen gegen den wachsenden Rechtspopulismus, die Fremdenfeindlichkeit und den Antisemitismus gewandt. Er hat Holocaust-Überlebende für ihren Einsatz als Zeitzeugen ausgezeichnet und war dabei, als Bildungsstaatssekretär Thomas Drescher ein Abkommen zur Lehrerbildung mit der Gedenkstätte Yad Vashem unterzeichnete. Und er hat betont, wie wichtig es ist, junge Menschen aus Deutschland und Israel zusammenzubringen. Denn will man neue Radikalisierungen vermeiden, geht das wohl am Besten durch persönliche Beziehungen.

Das freilich muss künftig auch mit dem Dritten im Bunde, den Palästinensern geschehen. Wenn die Schüler, denen Woidke an der christlichen Schule in Talitha Kumi begegnete, erklärten, dass sie keine gleichaltrigen Israelis kennen, dann kann es für das Land Brandenburg eigentlich nur eine Konsequenz geben: Der seit Jahren funktionierende und wichtige bilaterale Jugendaustausch mit Israel muss auf allen Ebenen zu trilateralen Begegnungen erweitert werden. Denn es ist und bleibt wichtig, dass junge Brandenburger und junge Israelis miteinander in Kontakt kommen. Aber noch wichtiger wäre es, würden die Israelis bei ihren Reisen nach Cottbus, Prenzlau oder Wittenberge auch eine Gelegenheit bekommen, auf gleichaltrige Palästinenser zu treffen, mit ihnen die Schulbank zu drücken oder eine Partie Straßenfußball gegen sie zu spielen. Schließlich kann wirklicher Friede nur entstehen, wenn man sich begegnet, wenn man in Kontakt kommt und wenn man auch mal miteinander redet. Und zumindest an dieser Stelle kann sich auch das Land Brandenburg ganz konkret für den Frieden engagieren.