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| 18:30 Uhr

Kommentar
Irre Verdrehungen

Guido Bohsem
Guido Bohsem FOTO: LR
Der Diesel ist für die Umweltpolitik dasselbe, was „Modern Talking“ für die Musikkritik ist: Wahnsinnig erfolgreich, unfassbar viele Leute fahren drauf ab und trotzdem kann man ohne großes Risiko und vor allem mit einer großen Portion Selbstgerechtigkeit darüber meckern.

Dass nun auch die größte deutsche Stadt die älteren Modelle sanktioniert, verschafft da eine ähnliche Befriedigung wie ein Radioverbot für Dieter-Bohlen-Songs.

Vergessen sollte man dabei nicht: Erst die Schummel-Aktionen der Automobil-Industrie haben die Attacken der Öko-Aktivisten so richtig wirksam gemacht. Ohne die jahrelange Manipulation der Abgaswerte wäre die öffentliche Aufregung über die Abgase nur halb so groß. Das führt zu irren Verdrehungen. Manchmal scheint es fast, als ob die Käufer alter Diesel vordringlich für den Schutz der Umwelt unterwegs sind und nicht, weil es für sie deutlich billiger ist, als einen Benziner zu fahren.

Trotzdem, was den betroffenen Pendlern bisher als Kompensation angeboten wurde, reicht bei Weitem nicht aus. Leider. Denn die schlechte Nachricht lautet, mehr wird es auch nicht werden. Die Regierung muss jetzt deshalb schnellstens reinen Tisch machen und auch einräumen, dass ihr die Macht fehlt, einen gerechten Ausgleich zu finden.