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Kommentar Umweltkonferenz in Paris
Auch ohne Trump

Zwei Jahre sind eine lange Zeit für die Umwelt. Schwere Stürme wie Xavier, Hitzewellen und Trockenheit suchten den Planeten seit der Pariser Klimakonferenz 2015 heim. Dass diese Wetterphänomene mit dem Klimawandel zusammenhängen, bestreitet inzwischen kaum einer. Außer Donald Trump. Er war der große Abwesende des Pariser Klimagipfels am Dienstag. Das Megatreffen mit rund 4000 Teilnehmern war eine kollektive Antwort auf den Ausstieg des US-Präsidenten aus dem Klimaabkommen. Es sagte dem Mann im Weißen Haus: Wir machen weiter mit dem Klimaschutz – auch ohne dich. Von Christine Longin

Dass Emmanuel Macron die neue Allianz der Klimaretter anführt, liegt in der Logik der Sache. Wurde doch der bisher ehrgeizigste Klimavertrag in Paris unterzeichnet. Für den 39-Jährigen bot der One Planet Summit ein gutes halbes Jahr nach seiner Wahl einen willkommenen Anlass, sich international in Szene zu setzen. Der PR-Effekt war unbestreitbar. Aber selbst Kritiker der Großveranstaltung müssen zugeben, dass der französische Präsident für die richtige Sache kämpft. Die Rollen zwischen Gut und Böse sind beim Klimaschutz klar verteilt. Und jeder, der sich der Macrons Achse der Guten anschließt, ist ein willkommener Partner. Neu ist, dass auch große Unternehmen zur Allianz der Klimaretter gehören. Der Kampf gegen den Klimawandel ist nicht mehr nur die Sache einiger Öko-Freaks, sondern ein ernst zu nehmendes Geschäft, das Geld bringt. Erneuerbare Energien sind nämlich billiger als Kohle. Die Investitionen lohnen sich also. Konzerne wie der Versicherer AXA haben das verstanden.

Auch wenn Finanzinstitutionen, Stiftungen und Regierungen in Paris wichtige Zusagen machten, ist der Kampf gegen die Erderwärmung noch lange nicht gewonnen. Im Gegenteil: Die Gefahr von Klimakatastrophen war noch nie so groß. Deshalb braucht Macron dringend mehr Verbündete. Hier ist Deutschland gefragt, das zusammen mit Frankreich eine Vorreiterrolle in Europa spielen könnte. Doch Bundeskanzlerin Angela Merkel war in Paris nicht einmal vertreten. Eine verpasste Gelegenheit. Denn Deutschland muss sich beeilen, wenn es den Klimazug, von dem UN-Generalsekretär Antonio Guterres sprach, nicht versäumen will.