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| 18:23 Uhr

Leitartikel
Im Eichhörnchen-Modus

Stefan Vetter
Stefan Vetter FOTO: Redaktion / LR
Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Aber immerhin: Die Chefetage der SPD hat  jetzt grünes Licht für weitere Gespräche mit der Union über eine künftige Regierungsbildung gegeben. Alles andere wäre freilich auch in höchstem Maße verantwortungslos gewesen. Nun also wird sondiert. Und man kann nur hoffen, dass der Verlauf der gescheiterten Jamaika-Verhandlungen allen Beteiligten wirklich eine Lehre ist, die dabei produzierten Fehler nicht zu wiederholen. Erinnert sei nur an die vielen Worthülsen, um das schwarz-gelb-grüne Gewürge zu bemänteln. Am Ende haben die Wasserstandsmeldungen nur noch genervt. Dass Martin Schulz einmal mehr von einem „ergebnisoffenen“ Prozess spricht, hat natürlich mit der Seelenlage seiner SPD zu tun. Auch wenn ihr Parteitagsbeschluss mit der gleichlautenden Intention vor gut einer Woche in Berlin mit breiter Mehrheit gefasst wurde, so ist doch das Unbehagen über einen erneuten Gang in die  Große Koalition bei vielen Genossen nach wie vor mit Händen zu greifen. Aber genau an diesen unliebsamen Gedanken wird Schulz die Seinen gewöhnen müssen. Eine „Regierungsehe“ mit der ausdrücklichen Erlaubnis zum politischen Fremdgehen ist mit der Union jedenfalls nicht drin. Soviel steht jetzt schon fest. Also bleibt der SPD nur die Möglichkeit, das Beste daraus zu machen oder eben Neuwahlen zu riskieren. Letzteres würde allerdings kein Mensch verstehen. Immerhin haben Union und SPD in der jüngeren Geschichte bereits acht gemeinsame Regierungsjahre hinter sich gebracht. Man ist sich also keineswegs fremd und muss deshalb auch nicht bei null anfangen. Mit einer geschickten Verhandlungsführung könnten die Genossen sogar gestärkt aus ihrem politischen Dilemma hervorgehen. Auch deshalb, weil die Strahlkraft von Angela Merkel auch nicht mehr die ist, die sie einmal war. Die Phase der „Ergebnisoffenheit“ ist jedenfalls begrenzt. Umso mehr ist von Martin Schulz jetzt klare politische Führung gefordert.