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Kommentar
Auf der Höhe der Zeit

Stefan Vetter
Stefan Vetter FOTO: k r o h n f o t o . d e
Die Vorstellungen von Luxus sind individuell sehr unterschiedlich. Frei nach dem Motto: mein Haus, mein Auto, mein Boot. Manches ist allerdings schwerlich oder gar nicht käuflich.Zeit zum Beispiel. Bereits 40 Prozent der Beschäftigten in Deutschland arbeiten am Wochenende.

Von vielen wird eine Erreichbarkeit praktisch rund um die Uhr verlangt. So ist Zeit für einen großen Teil der Bevölkerung mittlerweile zum wahren Luxus unserer Zeit geworden. Das legt auch eine Umfrage der IG Metall vom Frühjahr nahe, bei der fast 60 Prozent der Berufstätigen zu Protokoll gaben, länger zu arbeiten als vertraglich vorgesehen und fast zwei Drittel den Wunsch äußerten, ihre tatsächliche Arbeitszeit gern zu verkürzen.

Deshalb ist die größte Einzelgewerkschaft im DGB ganz auf der Höhe der Zeit, wenn sie in der anstehenden Tarifrunde auch für die individuelle Möglichkeit einer – wohlgemerkt – vorübergehenden Arbeitszeitreduzierung kämpft. Bereits heute gibt es ein verbrieftes Recht, von Vollzeit in Teilzeit zu wechseln. Doch wer dort einmal ist, kommt davon kaum mehr weg. Nach der Forderung der IG Metall soll es endlich auch umgekehrt gehen. Ganz so, wie es übrigens schon in einem Gesetzentwurf stand, der in der letzten Wahlperiode am Widerstand der Union scheiterte. Insofern sind die Mitte November beginnenden Tarifgespräche in der Metall- und Elektroindustrie auch ein interessantes Lehrstück für die künftige Regierung in Berlin.