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| 17:59 Uhr

Hemdchenbeutel stirbt aus
Zehn Cent wären besser

 Michael Gabel
Michael Gabel FOTO: MOZ
In Lebensmittelmärkten ist Plastik allgegenwärtig. Zwar lässt sich das Material schwer abbauen und belastet deshalb die Umwelt besonders stark. Aber es hat zwei Vorteile: Es kostet nicht viel und hält die Ware schön frisch.

Hersteller finden das praktisch, und so verpacken sie und schweißen ein, was das Zeug hält. Sogar gekochte und geschälte Eier gibt es in Kunststoffschachteln zu kaufen – absurd. Doch nicht nur die Industrie trägt dazu bei, dass immer mehr Plastikmüll entsteht. Auch viele Kunden haben es beim Einkauf gern bequem und stecken ihr Obst und Gemüse in die kleinen Kunststofftüten, die griffbereit an den Ständen hängen. Aldi will da ansetzen und verlangt einen Cent pro Tüte. Aber werden die Kunden wegen eines solchen lächerlich geringen Betrags wirklich ihr Verhalten ändern? Wohl kaum. Zehn Cent wären besser gewesen.

Interessanter ist aber der zweite Ansatz, den Aldi im Kampf gegen den Kunststoffmüll verfolgt: Als Alternative zu den Obst- und Gemüsebeuteln verkauft der Discounter künftig wiederverwendbare Netze. Das ist zwar nichts grundsätzlich Neues, denn andere Handelsketten bieten solche Produkte schon seit Längerem an. Aber wenn auch Billiganbieter das Prinzip Nachhaltigkeit entdecken, bedeutet das immerhin ein Fortschritt.

Vielleicht kommt es ja bald wieder so, wie es früher einmal üblich war: Die Kunden packen bei ihrem Einkauf alles in ihre mitgebrachten Beutel, Netze und Boxen, mit der Folge, dass die Plastiktüte der Vergangenheit angehören würde. Der Umwelt würde ein solches Verbraucherverhalten guttun. Nur müssten noch weitere Schritte zum – möglichst – plastikfreien Einkauf folgen. Dann aber von den Herstellern und Händlern.

politik@lr-online.de