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| 16:32 Uhr

Leitartikel neuer Zuschnitt des Innenministeriums
Heimat, richtig verstanden

FOTO: krohnfoto.de
Wenn die neue Große Koalition glauben sollte, durch die bloße Umbenennung eines Ministeriums der AfD schon das Wasser abgraben zu können, dürfte sie sich schwer täuschen. „Heimat“ als Zusatzname für das kombinierte Innen- und Bauministerium ist für die Wähler der Rechtspopulisten ungefähr so glaubhaft wie der Versuch, ein Dieselauto mit dem Werbebegriff „clean“ zu verkaufen – Etikettenschwindel. Im schlechtesten Fall liefert das Wort sogar noch die amtlich beglaubigte Hintergrundmusik für hinterwäldlerische Abschottung. Von Werner Kolhoff

Was in der Tat Not tut, ist die Rettung der ländlichen Räume. Der Dörfer, der Kleinstädte, auch der Unter- und Mittelzentren. Zum einen vor den Folgen des demografischen Wandels, und schon da gibt es unendlich viel zu tun. Verkehrsanbindungen, Schulen und Universitäten, Internet, regionale Wirtschaftsförderung. Wenn das Innenministerium das koordiniert und vorantreibt, leistet es eine für unser Land unglaublich wichtige Aufgabe. Denn Deutschland ist kein Land der Metropolen allein, sondern ein Land der regionalen und kulturellen Vielfalt, die es zu pflegen gilt. Das ist unsere Heimat.

Die ländlichen Räume müssen mittlerweile aber auch schon vor den Folgen eines falschen Heimatbegriffes geschützt werden, wie er sich in manchen Gegenden in Übergriffen gegen Andersdenkende und in Brandschatzungen gegen Flüchtlinge breit macht. Gerade im Innenministerium ist dieser Teil der Aufgabe bestens aufgehoben, sofern Horst Seehofer sie wirklich begreift und entschlossen angeht. In engstirnige Regionen will niemand ziehen, kein Investor, keine junge Familie, keine Hochschule. Das ist keine Heimat. Zu Heimat gehört immer auch behutsame Entwicklung, und das bedeutet Veränderung. Wer glaubt, alles könne so bleiben wie es früher war, oder es könne wieder genauso werden, der muss ins Museum gehen. Dafür ist die Bundesregierung nicht zuständig.