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| 14:23 Uhr

Frauen aus der Colonia Dignidad
Protokolle aus der Hölle

Ida Kretzschmar
Ida Kretzschmar FOTO: LR / Sebastian Schubert
„Lasst uns reden“ hat Heike Rittel die Frauenprotokolle aus der Colonia Dignidad überschrieben, die gerade im Schmetterling Verlag erschienen sind. Dieser titelgebende Satz aber ist alles andere als selbstverständlich. Jahrzehntelang haben die Menschen, die in der einstigen Sektenkolonie in Chile leben, angstvoll geschwiegen. Auch die deutsche Diplomatie schwieg, erst vor zwei Jahren verneigte sich ein deutscher Außenminister vor den Opfern. Der Laienprediger Paul Schäfer hatte die deutsche Colonia Dignidad im Jahr 1961 in Chile gegründet. Schon in den 70er-Jahren war über Amnesty International vom unseligen Zusammenwirken Schäfers und seiner Helfershelfer mit den Folterknechten Pinochets, Gehirnwäsche, Bespitzelung, Kinderschändung, Schwerstarbeit im Namen Gottes zu hören gewesen. Verbrechen, die trotz vieler Enthüllungen bis heute nicht vollständig aufgeklärt sind. 2004 wurde Schäfer wegen  Kindesmissbrauchs in 25 Fällen schuldig gesprochen. „Über das Leiden der Frauen in der Kolonie aber war bislang kaum etwas öffentlich geworden“, sagt Heike Rittel. Gemeinsam mit ihrem Mann Hagen Rittel, der auch das Vorwort zu diesem Buch schrieb, hatte die Sprembergerin mehrere Reisen nach Chile unternommen. In der einst berüchtigten Sektenkolonie öffneten ihr die Frauen nach und nach ihr Herz. Immer wieder kehrten die Rittels dorthin zurück. Aus den vielen langen Gesprächen, in denen Unsagbares zur Sprache kam, ist nun nach sechsjähriger Arbeit ein berührendes Buch entstanden. „Ein weiteres schmerzhaftes Gefühl ist die traurige Tatsache, dass wir Mädchen uns gegenseitig verprügelten und verdreschen mussten...Schäfer strafte oft auch persönlich. Er trat mit Füßen gegen und auf unsere Körper.“ Aussagen von Maria Schnellenkamp, in der Kolonie geboren und aufgewachsen. Die Gesprächsprotokolle waren eigentlich dafür gedacht, im Museum vor Ort und somit im Gedächtnis zu bleiben. Und doch ist es gut, dass sie mit diesem Buch eine breite Öffentlichkeit erlangen können. So sachlich auch vielfach erzählt wird, die Protokolle wühlen auf, machen fassungslos. Sie zeugen von erlittenen Demütigungen, aber auch von erwachendem Selbstbewusstsein. Für die historische Einordnung stand Heike Rittel Jürgen Karwelat zur Seite, der auch an der 1977 von Amnesty International herausgegebenen Broschüre „Colonia Dignidad Deutsches Mustergut in Chile – ein Folterlager der DINA“ beteiligt war. Auf ihrer jüngsten Chile-Reise waren die Rittels auch von Andreas Höfer begleitet worden. Der Kameramann lässt mit seinen Fotografien im Buch in die Gesichter jener sehen, die in der Hölle ihre Menschlichkeit zu bewahren versucht haben. Ein Buch, das der Aufklärung der Verbrechen in der Colonia Dignidad unentbehrliche, sehr persönliche Seiten hinzufügt. Von Ida Kretzschmar

„Lasst uns reden“ hat Heike Rittel die Frauenprotokolle aus der Colonia Dignidad überschrieben, die gerade im Schmetterling Verlag erschienen sind. Dieser titelgebende Satz aber ist alles andere als selbstverständlich. Jahrzehntelang haben die Menschen, die in der einstigen Sektenkolonie in Chile leben, angstvoll geschwiegen. Auch die deutsche Diplomatie schwieg, erst vor zwei Jahren verneigte sich ein deutscher Außenminister vor den Opfern. Der Laienprediger Paul Schäfer hatte die deutsche Colonia Dignidad im Jahr 1961 in Chile gegründet. Schon in den 70er-Jahren war über Amnesty International vom unseligen Zusammenwirken Schäfers und seiner Helfershelfer mit den Folterknechten Pinochets, Gehirnwäsche, Bespitzelung, Kinderschändung, Schwerstarbeit im Namen Gottes zu hören gewesen. Verbrechen, die trotz vieler Enthüllungen bis heute nicht vollständig aufgeklärt sind. 2004 wurde Schäfer wegen  Kindesmissbrauchs in 25 Fällen schuldig gesprochen. „Über das Leiden der Frauen in der Kolonie aber war bislang kaum etwas öffentlich geworden“, sagt Heike Rittel. Gemeinsam mit ihrem Mann Hagen Rittel, der auch das Vorwort zu diesem Buch schrieb, hatte die Sprembergerin mehrere Reisen nach Chile unternommen. In der einst berüchtigten Sektenkolonie öffneten ihr die Frauen nach und nach ihr Herz. Immer wieder kehrten die Rittels dorthin zurück. Aus den vielen langen Gesprächen, in denen Unsagbares zur Sprache kam, ist nun nach sechsjähriger Arbeit ein berührendes Buch entstanden. „Ein weiteres schmerzhaftes Gefühl ist die traurige Tatsache, dass wir Mädchen uns gegenseitig verprügelten und verdreschen mussten...Schäfer strafte oft auch persönlich. Er trat mit Füßen gegen und auf unsere Körper.“ Aussagen von Maria Schnellenkamp, in der Kolonie geboren und aufgewachsen. Die Gesprächsprotokolle waren eigentlich dafür gedacht, im Museum vor Ort und somit im Gedächtnis zu bleiben. Und doch ist es gut, dass sie mit diesem Buch eine breite Öffentlichkeit erlangen können. So sachlich auch vielfach erzählt wird, die Protokolle wühlen auf, machen fassungslos. Sie zeugen von erlittenen Demütigungen, aber auch von erwachendem Selbstbewusstsein. Für die historische Einordnung stand Heike Rittel Jürgen Karwelat zur Seite, der auch an der 1977 von Amnesty International herausgegebenen Broschüre „Colonia Dignidad Deutsches Mustergut in Chile – ein Folterlager der DINA“ beteiligt war. Auf ihrer jüngsten Chile-Reise waren die Rittels auch von Andreas Höfer begleitet worden. Der Kameramann lässt mit seinen Fotografien im Buch in die Gesichter jener sehen, die in der Hölle ihre Menschlichkeit zu bewahren versucht haben. Ein Buch, das der Aufklärung der Verbrechen in der Colonia Dignidad unentbehrliche, sehr persönliche Seiten hinzufügt.

Heike Rittel liest aus ihrem Buch am 8. Mai um 18.30 Uhr in Spremberg im Geschäft „La Dessous“, Lange Straße 37. Telefonische Voranmeldung: 03563 2237

Heike Rittel, Jürgen Karwelat: Lasst uns reden. Frauenprotokolle aus der Colonia Dignidad. Schmetterling Verlag. 272 Seiten, 29,80 Euro
Heike Rittel, Jürgen Karwelat: Lasst uns reden. Frauenprotokolle aus der Colonia Dignidad. Schmetterling Verlag. 272 Seiten, 29,80 Euro FOTO: Schmetterlingsverlag