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| 19:26 Uhr

Kommentar
Harter Rechtskurs

Ulrike Sosalla
Ulrike Sosalla FOTO: MOZ
Eines ist nach der ersten Runde der brasilianischen Wahlen klar: Es ist hochwahrscheinlich, dass der nächste Präsident des fünftgrößten Landes der Erde ein Rechtsextremer sein wird, der die Demokratie ebenso verachtet wie die Menschenrechte.

Knapp 47 Prozent der Brasilianer stimmten am Sonntag für Jair Bolsonaro, der sich mit radikaler Pose zum Anti-Establishment-Politiker aufbaute, obwohl er der politischen Klasse des Landes seit vielen Jahren angehört.

Für Brasilien ist dieser ungeschminkte Rechtsruck eine gesellschaftliche Katastrophe. Die junge Demokratie droht endgültig unter die Räder zu geraten. In weite Ferne rücken der Ausbau des völlig überlasteten Bildungssystems und der Wiederaufbau des Rechtsstaats, der unter den vielen bestechlichen Richtern leidet.

Doch im Fall Brasilien geht es um mehr. Das Land hat kulturelle Strahlkraft weit über Lateinamerika hinaus. Wenn dort ein Rechter vom Schlage Bolsonaros Präsident wird, wird das dazu beitragen, Rassismus und Demokratieverachtung weiter in internationale Organisationen hineinzutragen. Wie auch Trump könnte Bolsonaro an einer Erosion der Uno wie auch internationaler Handelsabkommen arbeiten. Für eine EU, die unter dem Druck populistischer Regierungen in den eigenen Reihen steht, ist das eine schlechte Nachricht. ⇥politik@lr-online.de