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| 19:04 Uhr

Handelsstreit
Handelssanktionen alsVorboten des Abschwungs

Stefan Vetter
Stefan Vetter FOTO: LR / Redaktion
Strafzölle auf Whiskey oder Orangensaft, das mag die allermeisten wenig kümmern. Was soll‘s, davon geht die Welt nicht unter. Tut sie auch nicht. Oder besser noch nicht? Das Problem sitzt auf jeden Fall tiefer, als es mit den von der EU gestern in Kraft gesetzten Sanktionen für ein paar ausgewählte US-Produkte den Anschein hat. Von Stefan Vetter

Die Wachstumserwartungen für Deutschland sind zweifellos eingebrochen. Von Berlin bis München haben die führenden Forschungsinstitute ihre Konjunkturprognosen bereits nach unten korrigiert. Und das binnen einer verhältnismäßig kurzen Frist. Der Hauptgrund dürfte aus dem drohenden Handelskrieg resultieren. Deutschland ist verwöhnt mit seinem scheinbar ewig währenden Aufschwung. Es war immer stolz auf den Exportweltmeistertitel. Und mit dem Außenhandel erwirtschaftet das Land tatsächlich einen Großteil seines Reichtums. Umgekehrt gilt dann allerdings auch: Wenn der Protektionismus um sich greift, leidet Deutschland besonders stark. Die jüngsten EU-Strafzölle haben ja eine Vorgeschichte. Sie sind die Antwort auf Donald Trumps Entscheidung, die Einfuhr von Stahl und Aluminium in die USA zu verteuern. So kommt eine Spirale in Gang. Als Nächstes sind wohl Autos dran, Deutschlands Paradedisziplin. Ein Weltkonzern wie Daimler hat darauf schon jetzt reagiert. Weil Washington auch mit Peking im Handelsstreit liegt, rechnet das Unternehmen mit weniger Gewinnen aus seinen in den USA produzierten Fahrzeugen, die auch nach China gehen.

Die Bundesregierung ist es gewohnt, sich über die Verteilung des Überflusses zu streiten. Doch wenn die Wirtschaft demnächst weniger wächst, bleiben auch die Steuerreinnahmen hinter den Erwartungen zurück, gibt es weniger zu verteilen. So könnten die am Freitag in Kraft getretenen EU-Sanktionen auch Vorboten des Abschwungs sein.