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| 17:42 Uhr

Hamburg will Containern erlauben - gute Idee
Ein Fingerzeig in Richtung Landwirtschaftsministerin

 Dorothee Torebko
Dorothee Torebko FOTO: lr / LR
Sie klettern in Mülltonnen, greifen sich Paprika, Brot und Joghurt, deren Mindesthaltbarkeit abgelaufen ist, die aber noch essbar sind. Lebensmittel, die der Handel nicht mehr verwenden will. Daraus kochen sie Abendbrot.

Sie schaden niemandem und tun sogar etwas Gutes, weil sie Weggeworfenes sinnvoll verwenden.

Die Rede ist von Menschen, die „containern“. Nach dem Gesetz begehen sie Diebstahl und sind von Gefängnis bedroht. Dass Hamburgs Justizsenator das nun ändern möchte, ist nicht nur sinnvoll, sondern auch ein Fingerzeig in Richtung Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner.

Denn die CDU-Frau hält nichts vom „Containern“. Sie will zwar die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen, setzt aber auf Freiwilligkeit. Bis 2030 sollen die jährlich elf Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle um die Hälfte reduziert werden. Um das zu erreichen, sollen Unternehmen zum Beispiel Waren in kleineren Mengen bestellen und sich dafür häufiger beliefern lassen. Oder sie sollen auf intelligente Verpackungen setzen, die den tatsächlichen Verfall des Produkts sichtbar machen – anders als das Mindesthaltbarkeitsdatum. Die Ideen sind gut, aber eben nicht verpflichtend.

Wie es anders funktionieren kann, zeigt Frankreich. Hier wird Supermärkten per Gesetz verboten, Essbares zu entsorgen. Sie spenden die Lebensmittel stattdessen an gemeinnützige Organisationen. Das ist nicht nur aus ökologischer Sicht ein Zugewinn. Trotzdem halten in Deutschland die meisten Supermärkte seit Jahrzehnten an ihrer Wegwerfpraxis fest. Solange Ministerin Klöckner auf Freiwilligkeit setzt, wird sie das „Containern“ nicht eindämmen können. ⇥politik@lr-online.de