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Kommentar Mehr Kinder leben von Hartz IV
Gutes im Schlechten

FOTO: k r o h n f o t o . d e
Diese Meldung wird der Armutsdebatte in Deutschland sicher neue Nahrung geben: Immer mehr Kinder sind auf Hartz IV angewiesen. Und auf den ersten Blick kennt die Entwicklung tatsächlich nur einen Trend: steil nach oben. Was immer bedrohlicher wirkt, ist aber nicht nur eine schlechte Nachricht. Dahinter verbergen sich sogar ein paar gute.

Diese Meldung wird der Armutsdebatte in Deutschland sicher neue Nahrung geben: Immer mehr Kinder sind auf Hartz IV angewiesen. Und auf den ersten Blick kennt die Entwicklung tatsächlich nur einen Trend: steil nach oben. Was immer bedrohlicher wirkt, ist aber nicht nur eine schlechte Nachricht. Dahinter verbergen sich sogar ein paar gute.

Immerhin müssen heute deutlich weniger einheimische Kinder von Stütze leben als noch vor fünf Jahren. Die Zahl verringerte sich um 144 000 auf knapp 1,47 Millionen. Das sind zweifellos immer noch viel zu viele. Aber die wachsende Zahl der Beschäftigten zeigt positive Wirkung. Denn dadurch gelingt es auch mehr einkommensschwachen Familien, sich von der staatlichen Stütze zu befreien. Arbeit ist eben immer noch die beste Versicherung gegen Armut.

Die Zahl der Flüchtlingskinder, die Hartz IV beziehen, ist allerdings geradezu explodiert. Der Anstieg insgesamt geht ausschließlich auf sie zurück. Doch auch dahinter steckt eine positive Nachricht. Denn die Entwicklung belegt, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge der Aktenberge zunehmend Herr wird. Allein im Jahr 2015 kamen rund eine Million Flüchtlinge nach Deutschland. Während ihres laufenden Asylverfahrens erhalten sie staatliche Leistungen, die deutlich niedriger sind als Hartz IV. Erst nach ihrer Anerkennung als Schutzsuchende werden sie wie deutsche Langzeitarbeitslose behandelt. Dazu gehören dann auch entsprechende Vermittlungsanstrengungen durch die Jobcenter.

Natürlich darf Hartz IV kein Ruhekissen sein. Vielmehr kommt es nun darauf an, dass auch immer mehr Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen. Das ist die eigentliche Herausforderung. Professionelles Wehklagen über immer mehr Hartz-IV-Empfänger hilft da keinen Deut weiter. Zumal die neuen Zahlen nicht wirklich ein Beleg für wachsende Kinderarmut sind.