| 02:37 Uhr

Grund zur Sorge

Leitartikel. Vom deutschen Arbeitsmarkt gibt es derzeit viel Positives zu berichten: Die Zahl der Erwerbslosen ist so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr, das Jobwunder geht augenscheinlich weiter. Und gleichzeitig gibt es genügend Stellen für Menschen, die eine Arbeit suchen. Hagen Strauß

Wenn sie denn über eine entsprechende Qualifikation verfügen.

Womit auf der anderen Seite auch ein zentrales Problem des Arbeitsmarktes benannt ist: Zahlreiche Unternehmen finden einfach keine Fachkräfte mehr, um die vielen offenen Stellen zu besetzen - mit 1,064 Millionen freien Jobs ist ein neuer Höchststand erreicht. Das trübt die arbeitsmarktpolitische Gesamtbilanz nicht nur gehörig ein, sondern muss Grund zu erheblicher Sorge sein.

Ein Luxusproblem, wenn man nach Frankreich, Spanien, Griechenland oder Portugal schaut, wo vor allem junge Menschen händeringend nach Arbeitsplätzen suchen? Nein, es ist weit mehr. Denn die massiven Engpässe in einzelnen Berufsgruppen und Branchen gefährden mittelfristig den wirtschaftlichen Erfolg des gesamten Landes. Noch nicht heute, aber bestimmt morgen.

Und die Entwicklung trifft vor allem den Mittelstand, das Rückgrat der Wirtschaft. Betriebe können ihr Potenzial nicht mehr ausschöpfen, weshalb ihnen in einer Schwächephase finanzielle Puffer fehlen. Dann mit fatalen Folgen für die gesamte Belegschaft. Der demografische Wandel, mitverantwortlich für den Mangel, lässt sich nicht einfach beheben. Das ist klar. Umso mehr muss in Qualifizierung, in Bildung und Ausbildung junger Menschen investiert werden.

Hier ist die Politik in der Pflicht. Deshalb muss man mit Blick auf die Bundestagswahl die Parteien auch daran messen, welche Konzepte sie in diesem Bereich anbieten. Bildung ist schließlich das eigentliche Zukunftsthema.

politik@lr-online.de