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| 18:38 Uhr

Kritik der Grünen Bundestagsfraktion
Trinkwasser wird immer teurer

Berlin. Laut Grünen-Fraktion in den vergangenen Jahren 25 Prozent Kostensteigerung. Strengere Auflagen gefordert.

Kostentreiber Trinkwasser: Die Deutschen müssen offenbar fürs kühle Nass immer tiefer in die Tasche greifen.

Nach einer Analyse der Grünen-Bundestagsfraktion, die der RUNDSCHAU vorliegt, stiegen die Ausgaben für einen Zwei-Personen-Haushalt zwischen 2005 und 2016 um rund 25 Prozent. Das ergibt einen Preisanstieg von durchschnittlich 50 Euro. Die Erhebung der Fraktion basiert auf aktuellen  Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden.

Seit über 15 Jahren geht der Wasserverbrauch in Deutschland zurück. Laut Bundesumweltministerium schwankte in den letzten drei Jahren die tägliche Nutzung zwischen 120 und 123 Litern Trinkwasser pro Person. Im Schnitt kostet die Bundesbürger ein Liter  Wasser 0,2 Cent, deutlich weniger als Mineralwasser aus dem Supermarkt.

Doch während die Deutschen immer sparsamer werden, müssen sie zugleich mehr bezahlen, wenn sie den Hahn aufdrehen – vor allem zwischen 2014 und 2016 hat sich der Kostenanstieg nach Angaben der Grünen erheblich verschärft:

 Deutschlandweit gab es demnach eine Preissteigerung beim Trinkwasser von gut 3,6 Prozent, während die Inflationsrate in diesem Zeitraum lediglich 1,7 Prozent betrug. „Die Wasserpreise steigen doppelt so schnell wie die allgemeinen Verbraucherpreise“, kritisieren die Grünen. Ein Ende des Anstiegs sei nicht in Sicht. Beim Blick in einzelne Bundesländer zeigt sich,  dass die Preisentwicklung sehr unterschiedlich ausfällt: Während in Thüringen und Berlin die Trinkwasserkosten nach Angaben der Grünen seit 2005 gesunken sind, zahlen Bayern fast 60 Prozent mehr.

Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sind die Wasserpreise in Deutschland deswegen unterschiedlich hoch, weil es die Versorger mit regional sehr verschiedenen Strukturen zu tun haben. Die Bedingungen bei der Wassergewinnung, der Aufbereitung und der Verteilung an die Kunden über die Leitungsnetze seien sehr ungleich. Hinzu kommen andere Umweltauflagen, die die Versorger erfüllen müssten.

Nach Ansicht der Grünen fehlt es allerdings an Transparenz und Vergleichbarkeit der regionalen Wasserpreise. Verbraucherexperte Markus Tressel sagt: „Die Bundesregierung setzt die Scheuklappen auf und lässt die Verbraucher mit den steigenden Trinkwasserkosten vollkommen alleine.“ Vor allem kleine und mittlere Einkommen würden durch die steigenden Preise belastet.

Beim Erhalt der Trinkwasserinfrastruktur müsse wieder verstärkt auf staatliche Förderung gesetzt werden, forderte Tressel.

Darüber hinaus seien strengere gesetzliche Regelungen für den Einsatz von Gülle, Pestiziden und Medikamenten in der Agrarindustrie dringend notwendig, „um Trinkwasser als unser wichtigstes Lebensmittel zu schützen“, so der Grüne.

(has)