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| 01:28 Uhr

Griechenland und wir

Kommentar. Es gibt Gruppen und Parteien bei uns, die lehnen die gerade im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse noch immer ab. Die Linke etwa, Teile der SPD und Grünen, auch viele Gewerkschafter. Von Werner Kolhoff

Sie sollten jetzt alle mal eine Studienreise in die Ägäis unternehmen, um zu lernen, was mit einem Land passiert, dessen Volk beständig mehr Geld verbraucht, als die eigene Wirtschaft hergibt. Und es gibt Gruppen und Parteien, die rufen weiter: Steuersenkung, Steuersenkung. Die FDP und etliche wirtschaftsnahe Verbände sind zu nennen. Sie sollten ebenfalls nach Griechenland fahren, wo sich die Bürger durch Mogeln die Steuern selbst gesenkt haben und der Staat finanziell ausgeblutet ist. Das aktuelle, sich täglich verschärfende Drama sollte Anlass genug sein, Positionen zu überdenken. Das gilt übrigens auch für die Kanzlerin und ihre Partei. Weil neben der Finanz- und Wirtschaftskrise nun auch noch die Rettung des Euro gestemmt werden muss, gibt es nichts mehr zu verteilen. Das müsste ihre Botschaft in diesen Tagen sein. Doch die schwarz-gelbe Koalition tut weiter so, als könne sie ihr unbeschwertes, von Wahlversprechungen geprägtes Regierungsprogramm umsetzen. Die deutsche Verschuldung beträgt übrigens mehr als 70 Prozent des Bruttosozialprodukts; gleichzeitig ist Deutschland das Land mit der niedrigsten Geburtenrate und der mit am schnellsten fortschreitenden Überalterung. Worauf beruht eigentlich die Erwartung, dass wir unsere Schulden immer werden zurückzahlen können und die Finanzagenturen eines Tages nicht auch uns herabstufen? Nur auf Hoffnung.