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| 17:43 Uhr

Leitartikel 100 Jahre Afghanistan
Gewalt und Terror

 Günther Marx
Günther Marx FOTO: MOZ
Während Taliban und Amerikaner über eine Friedenslösung für Afghanistan verhandeln – und es offenbar Hoffnungen auf einen Durchbruch gibt –, rollt die Welle von Terror und Gewalt unvermindert weiter durch das Land. Von Günther Marx

Das Regime in Kabul und die Taliban ringen um die künftigen Machtverhältnisse erbitterter als zuvor in den vergangenen Jahren mit Tausenden ziviler Opfer. Ziel eines Friedensabkommens, das mehr als ein Rückzugsabkommen der Amerikaner sein soll, ist eine Machtteilung mit den Taliban. Kabul indes ist an den Verhandlungen offiziell nicht einmal beteiligt.

Und nicht wenige Beobachter fürchten, dass die Taliban nach einem Abzug der Amerikaner (was auch den Abzug der internationalen Verbündeten bedeuten würde) die ganze Macht an sich reißen werden. Kabul alleingelassen würde dem wenig entgegensetzen können.

So war es schon in den 90er-Jahren nach dem Abzug der Sowjets. Ob Sicherheitsgarantien, wie die Amerikaner sie fordern, die Taliban auf Dauer zurückhalten werden, erscheint zweifelhaft. Doch Donald Trump hätte mit einem Abkommen zunächst einmal einen außenpolitischen „Erfolg“ für seinen Präsidentschaftswahlkampf im kommenden Jahr.

Allerdings zeigt der jüngste Anschlag auf eine Hochzeitsgesellschaft, dass den Taliban mit dem Islamischen Staat ein Machtkonkurrent erwachsen ist, der die Verhandlungen mit den USA zu torpedieren versucht, indem er deutlich macht, wie es im Land weitergeht – und über dessen Grenzen hinaus –, wenn die Amerikaner erst mal weg sind. Von Frieden wäre Afghanistan so weit entfernt wie zuvor. Vor 100 Jahren erlangte das Land seine volle Unabhängigkeit von Großbritannien. Zu feiern gibt es wenig.

politik@lr-online.de