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Meine Wirtschaftswoche
Gesundheit im Giftkreis

Hannelore Grogorick
Hannelore Grogorick FOTO: Angelika Brinkop / LR
Gesundheit wird allgemein als ein Zustand des körperlichen und/oder geistigen Wohlergehens aufgefasst. Nach dieser Definition von Wikipedia ist es mit meiner geistigen Gesundheit schlecht bestellt, wenn ich mir nur die Meldungen eines einzigen Tages zu Gemüte führe. Im Alleingang befürwortet der Agrarminister, dass das umstrittene Umweltgift Glyphosat weiterhin unsere Lebensmittelfelder berieseln darf. Er habe sich dafür eine Rüge eingefangen steht unter dem Foto, auf dem er süffisant und frohgemut lächelt. Von Hannelore Grogorick

Zum Kampf der Kommunen für bessere Luft heißt es: „In vielen Städten werden Grenzwerte beim Ausstoß gefährlicher Stickoxide anhaltend überschritten. Rund 90 Städte in Deutschland kämpfen mit zu hohen Werten.“

Zwei RUNDSCHAU-Seiten weiter geht es um Bilanzen, die von Lebensmittelprüfern gezogen werden. Eingeschätzt wird, dass sich die Sicherheit von Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegenständen in Deutschland auf einem hohen Niveau befindet. –Allerdings mussten zwölf Prozent der Warenproben beanstandet werden. Gar bei 77 Prozent der kontrollierten Masthähnchen wurden Campylobacter-Keime, also Durchfallerreger, gefunden.

Sogar auf der selben Seite muss ich lesen: „Zu viel Nickel im Kinderspielzeug“. Der Grenzwert für den allergieauslösenden Stoff sei im vergangenen Jahr bei 21 Prozent der untersuchten Stichproben sogar überschritten gewesen.

Diese Fakten allein betreffen allein unser körperliches Wohlbefinden. Dazu kommt, dass unbestritten auch eine kranke Seele den Körper „auffrisst“: In Görlitz sind die Siemsenswerke von der Schließung bedroht, ganze Familien bangen um die Mittel für ihren Lebensunterhalt. „Wenn Siemsens schließt, blutet die Stadt“, heißt es. Und die Auswirkungen von häuslicher Gewalt gegen Frauen betrifft nach den Ergebnissen einer Studie nicht nur Familien, sondern kostet mit all seinen Folgen das Land pro Jahr 3,8 Milliarden Euro.

Völlig wirr im Kopf nach solcherart Meldungsflut steige ich ins Auto. Auf dem Weg zur Arbeit höre ich im Radio, dass eine Krankenkasse um junge Mitglieder wirbt. Sie verspricht beim gesunden Aufwachsen der Kinder einen Bonus.

Da kann man wohl bloß gesund bleiben, wenn man sich totlacht.