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| 02:47 Uhr

Gesicht gewahrt

Wladimir Putin und Angela Merkel haben sich am Freitag noch rasch eines Besseren besonnen und den Zwist um den Besuch der Beutekunstausstellung kurzerhand beigelegt. Vordergründig, um ihr Gesicht zu wahren. Hagen Strauß

Denn das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die deutsch-russischen Beziehungen insgesamt sehr gereizt sind. Wenn sie nicht sogar in einer tiefen Krise stecken.

Angela Merkel ist wahrlich nicht der Kumpeltyp wie einst ihr Vorgänger Gerhard Schröder, der während seiner Amtszeit so gut mit Putin harmoniert hat. Eine durchaus von Testosteron mitgesteuerte Politik war und ist bei den beiden Herren unverkennbar. Merkel sieht in Putin auch nicht den lupenreinen Demokraten wie seinerzeit Schröder. Und sie nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, dem Russen politisch Paroli zu bieten. Da sind Spannungen programmiert. Auch deshalb hat der russische Bär der Kanzlerin mal die Zähne gezeigt und zunächst für einen Eklat gesorgt. Nach all den schönen Bildern der Harmonie mit US-Präsident Barack Obama ist Merkel dadurch wieder auf dem harten, realpolitischen Boden gelandet.

Mag sein, dass Putin immer noch vergrätzt ist vom G 8-Gipfel und der Tatsache, dass er, der sich gerne selbstherrlich in Pose setzt, dort weitgehend isoliert gewesen ist. Und richtig ist, dass die Beutekunst eine überaus heikle Angelegenheit zwischen Deutschen und Russen ist.

Fakt ist jedoch auch: Die Meinungsunterschiede bei Themen wie Syrien, Abrüstung, Visafreiheit oder demokratische Werte sind groß. Das deutsch-russische Verhältnis befindet sich derzeit in einem permanenten Kräftemessen. Ausweg und Ende offen. politik@lr-online.de