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| 18:06 Uhr

Krimi-Kolumne
Gerechte in der Zwickmühle

Ida Kretzschmar
Ida Kretzschmar FOTO: LR / Sebastian Schubert
Recht und Gerechtigkeit sind nicht automatisch ein Liebespaar. Das ist nicht erst seit der ARD-Themenwoche zum Thema Gerechtigkeit bekannt. In diesen Sonntagabendkrimi „Für Janina“ aber komponieren die Filmemacher die ganze Ohnmacht hinein, wenn es scheinbar keinen legalen Weg zueinander gibt. Von Ida Kretzschmar

Janina ist in den letzten Jahren der DDR vergewaltigt und ermordet worden, weil sie mit einem Mann nicht tanzen wollte. Der Täter gerät schnell ins Visier der Kripo, wird aber aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Jahrzehnte später rollen die beiden Kommissare Alexander Bukow und Katrin König aus Rostock den Fall noch einmal auf. Aber Freispruch ist Freispruch. Auch für einen wütenden Vergewaltiger und Mörder. Selbst, wenn ein DNA-Test nun seine Schuld nachweist. Ohne Teamgeist, der schwindelerregend nah am Rande des Gesetzes balanciert, ist der nicht zu bekommen. Wobei er noch lange nicht reicht, um den freigesprochenen Mörder hinter Gitter zu bringen. Da müssen noch weitaus unorthodoxere Ermittlungsmethoden her, die von der wütenden Vergeltungspolizistin König so wohl kaum jemand erwartet hat. Da wird um der Gerechtigkeit willen zusammengebracht, was nicht zusammengehört. Nachvollziehbar gespielt. Unterhaltsam auch anzusehen, wie Alexander Bukow sich für die Klärung des Falls sogar mit körperlichem Höchsteinsatz im Auto abmüht und wie ihm „der Arsch auf Grundeis geht“. Und doch: Lustig ist das alles eigentlich nicht. Soll man zusehen, wie eine verzweifelte Mutter zur Selbstjustiz getrieben wird? Oder in den Selbstmord? Aber Gesetz ist Gesetz. Wo kämen wir denn sonst hin? Und so gerät nicht nur das Ermittlerteam aus Rostock glaubhaft in die Zwickmühle, sondern auch der Zuschauer, der nicht umhin kommt, sich selbst zu befragen: Was hättest du getan, um Gerechtigkeit herzustellen?