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| 01:03 Uhr

Gemeinsame Interessen

Die Palästinenser haben gewählt. Die Wahl von Mahmud Abbas, dem der Sieg nach den letzten Umfragen nicht mehr zu nehmen ist, ist nicht nur richtig und gut, sondern die einzig mögliche.

Jede andere Wahl hätte das Machtchaos in den palästinensischen Gebieten unendlich vergrößert und nicht zuletzt den radikalislamischen Hamas und Dschihad die Chance gegeben, die Macht zu erobern.
"Gewinnen ist der leichte Teil", stellt der israelische Architekt der Osloer Abkommen, Jossi Beilin, zur palästinensischen Wahl fest. Abbas braucht nun die Hilfe von außen - aber in einer Form, die ihn nicht in den Augen seiner Landsleute korrumpiert. Er muss von Jerusalem und Washington als gleichwertiger Partner anerkannt werden. Abbas muss aber auch schnelle Erfolge vorweisen können, nicht in Form von entwürdigenden Almosen, sondern in Verhandlungen erkämpfte Konzessionen der Gegenseite. Nur wenn es der Masse der Palästinenser besser geht, kann der islamistische Vormarsch gestoppt werden, ohne einen Bürgerkrieg zu riskieren. Folglich sind Erfolge Abbas' auch in israelischem Interesse.
Und tatsächlich hat Ariel Scharon schon seit langem von "schmerzlichen Verzichten" gesprochen, die von Israel abverlangt werden, und will mit seinem Rückzugsplan aus dem Gazastreifen diesen Worten Taten folgen lassen. Bisher war von einem "einseitigen Loslösungsplan" die Rede, weil kein Verhandlungspartner vorhanden war. Dies hat sich mit der Wahl Abbas' grundsätzlich geändert. Logisch wäre nun eigentlich die schnellstmögliche Aufnahme von Verhandlungen.
Abbas Wahl ist eine Chance. Nicht nur für ihn und die Palästinenser. Sondern auch für Scharon, dem es nun leichter fallen sollte, seine Machtbasis zu vergrößern und eigene Pläne durchzusetzen.