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| 18:53 Uhr

Leitartikel
Plädoyer für Grundsicherung

Stefan Vetter
Stefan Vetter FOTO: LR / Redaktion
Viel ist in Deutschland darüber gemutmaßt worden, dass gerade weniger begüterte Familien die direkten staatlichen Transfers für ihre Kinder doch eh nur in Alkohol, Zigaretten oder Flachbildschirme umsetzen würden. Von Stefan Vetter

Dieses Vorurteil hat eine Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung nun zumindest teilweise revidiert. Bei steigendem Kindergeld, so die zentrale Erkenntnis, wird auch der Kita-Besuch des Nachwuchses wahrscheinlicher. Oder eine Mitgliedschaft im Sportverein.

Zur vollen Wahrheit gehört allerdings, dass ganz arme  Familien, also die mit Hartz IV, gar nicht vom Kindergeld profitieren, weil es mit ihrer Grundsicherung verrechnet wird. Und das in der Regel auf diesen Personenkreis zugeschnittene  Landeserziehungsgeld fließt nur in wenigen Bundesländern, weshalb die Datenlage der Untersuchung an dieser Stelle wohl eher dünn ist. Offen bleibt auch, ob solche Leistungen im vollen Umfang an die Kinder gehen oder nur teilweise.

Die zentrale Schlussfolgerung der Studienautoren sollte dadurch aber nicht entwertet werden. Schon seit Jahren machen sich Sozialverbände für eine einkommensabhängige Kindergrundsicherung stark, die alle staatlichen Leistungen für Kinder zusammenfasst. Die Autoren der Studie sprechen nun von der Notwendigkeit eines  „Teilhabegeldes“, was auf das Gleiche hinausläuft. Sinnvoll ins Werk gesetzt wäre eine solche Grundsicherung  auch dazu geeignet, dass sie den Kindern tatsächlich komplett zugutekommt. Dafür braucht die Bundesregierung nur die alte Idee einer Chipkarte neu zu beleben, die vor Jahren im Zuge des Teilhabe- und Bildungspakets für Kinder in einkommensschwachen Haushalten geboren, aber aus fadenscheinigen Gründen  wieder beerdigt wurde. Über eine solche Chipkarte könnten unbürokratisch und zweckgebunden sämtliche Transfers abgerufen werden. Um einem sozialen Stigma vorzubeugen auch für Kinder in bessergestellten Familien. Im Zeitalter der Digitalisierung sollte das jedenfalls kein größeres Problem mehr sein.

politik@lr-online.de