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| 01:24 Uhr

Für eine freie Presse

Es war ein Zeichen der Hoffnung, eine Absage an Resignation und Mutlosigkeit, als gestern in Moskau – trotz diverser Widerstände – Journalisten, Menschenrechtler und viele andere Menschen auf die Straße gingen, um an Anna Politkowskaja zu erinnern.

Vor einem Jahr war die russische Journalistin hinterrücks im Hausflur ihres Wohnhauses erschossen worden, weil sie sich einer wahrhaftigen Berichterstattung verpflichtet fühlte. Ausgerechnet am 7. Oktober, dem Geburtstag von Präsident Wladimir Putin, den sie in ihren Artikeln wegen seiner Defizite im Umgang mit Demokratie und Meinungsfreiheit oft angegriffen hatte.
Immer an der Seite der einfachen Leute, wurde die schmale Frau mit den kurzen Haaren und der strengen Brille nicht müde, Behördenwillkür anzuprangern. Sie reiste nach Tschetschenien, berichtete über Menschenrechtsverstöße der russischen Armee - und lieferte damit viele Gründe, sich den Zorn des Kreml-Apparates zuzuziehen. Fast folgerichtig tut dieser sich schwer mit der Aufklärung des Mordes an dieser unbequemen Frau, die von nicht wenigen im Land auch als Nestbeschmutzerin gesehen wurde, bis heute schwer. Vie le Anhänger und Freunde der Journalistin zweifeln inzwischen daran, dass der Mord an ihr jemals aufgeklärt werden kann. Doch mit Schweigen, Vertuschen und Aussitzen darf Moskau nicht durchkommen. Im Westen, wo die Politkowskaja mit Ehrungen und Anerkennung für ihren Mut überhäuft wurde, ist der Mord an ihr zu Recht als ein Anschlag auf die demokratischen Grundrechte angeprangert worden. Damit verbunden muss jetzt auch die Pflicht und der Wille sein, keine Ruhe zu geben, nachzubohren - ohne Rücksicht auf politisches Kalkül und diverse Politiker-Männerfreundschaften. Denn eine Einzelerscheinung ist der Fall Politkowskaja in Putins Russland nicht.