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| 15:43 Uhr

Kommentar
Führerscheinentzug für Gaffer

FOTO: LR / Sebastian Schubert
Neugierde ist eine nützliche Charaktereigenschaft. Sie verschafft uns einen Wissensvorsprung und ist ein Motor für lebenslanges Lernen. Wir alle kennen diesen Impuls hinzuschauen, wenn wir mit mit einem dramatischen, sehr seltenen Ereignis konfrontiert werden. Von Christina Wessel

Insbesondere dann, wenn Martinshorn und Blaulicht darauf aufmerksam machen. Problematisch wird diese Charaktereigenschaft, wenn Menschen ohne konkreten Auftrag zur Rettung oder Dokumentation, als Feuerwehr- oder Polizei-Mitarbeiter etwa, stehen bleiben und hemmungslos zusehen. Von diesem Moment an schlägt Neugierde in Sensationslust um. Justiz und Psychologie kennen etliche Persönlichkeitseigenschaften des Menschen, die mangels Impulskontrolle ihre dunklen Seiten offenbaren. Das umfasst die schweren Straftaten ebenso wie kleine Vergehen. Die Ungeduld gehört zu diesen Merkmalen, die manchen Menschen auf der Positivseite den Tatendrang beschert. Im Straßenverkehr aber können diese Fahrer unter Zeitdruck zum allzu leichtfertigen Einsatz des Gaspedals neigen. Wer dabei auch noch eine rote Ampel überfährt, muss zu Recht mit einem saftigen Bußgeld rechnen: 200 Euro, ein Punkt in Flensburg und ein Monat Fahrverbot drohen. Zum Vergleich: Wer Rettungskräften die Fahrt auf dem Seitenstreifen versperrt, wird mit maximal 25 Euro Bußgeld bestraft. Gaffer, die Sanitäter, Polizei und Feuerwehr an der Arbeit hindern, müssen empfindlich bestraft werden, und zwar mit dem Entzug des Führerscheins. Der Sichtschutz ist ein guter Anfang, um der Sensationslust den Nährboden zu nehmen. Einen größeren Schutz vor der Lust an der Katastrophe bietet aber vor allen Dingen die Sanktion mit dem Führerscheinentzug. Eine Strafandrohung, die übrigens auch dem Schaulustigen selbst dient: Therapeuten berichten nämlich mittlerweile von der Traumatisierung der Zuschauer.