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| 18:03 Uhr

Kommentar
Keine Selbstverständlichkeit

Stefan Vetter
Stefan Vetter FOTO: Redaktion / LR
Auch der längste Konjunkturboom dürfte einmal zu Ende gehen. Wann genau, vermögen die Wirtschaftsforscher nicht vorherzusagen. Und derzeit ist ja auch noch alles paletti, wie ihr aktuelles Frühjahrsgutachten zeigt. Trotzdem ist es nicht verboten, sich auch über schlechtere Zeiten Gedanken zu machen. Und da eben legen die führenden Ökonomen des Landes den Finger in die politische Wunde. Von Stefan Vetter

Schaut man sich die schwarz-rote Koalitionsvereinbarung an, deren Gültigkeit immerhin bis weit ins Jahr 2021 reicht, dann spricht daraus tatsächlich so etwas wie ein Rundum-Sorglos-Paket. Die üppigen Überschüsse sind längst für eine Fülle von Wohltaten verplant. Dagegen werden die Unternehmen insgesamt stärker belastet. Und sei es „nur“ mit einem Zuwachs an Bürokratie.

Bei einem nächsten Abschwung kann sich das bitter rächen. Denn dann steigen in aller Regel die Sozialausgaben des Staates, während die Steuereinnahmen zurückgehen. Umso mehr bleiben in solchen Phasen erfahrungsgemäß weniger oder gar nicht qualifizierte Menschen im arbeitsfähigen Alter auf der Stecke. Dabei gibt es in Deutschland trotz zum Teil akuter Personalnot auch jetzt immer noch rund 2,5 Millionen Arbeitslose.

Ein weiteres Problem sind junge Migranten, die ausweislich des jüngsten Berufsbildungsberichts ihren Schulbesuch mehr als doppelt so häufig ohne Abschluss beenden wie die deutschen Altersgenossen. Und durch die vielen Flüchtlinge der letzten Jahre droht sich dieses Problem noch weiter zu verschärfen.

 Hier geht viel Beschäftigungspotenzial im Aufschwung verloren. Eine gute Qualifikation kann aber auch im Abschwung besser vor sozialem Abstieg, vor der Notwendigkeit staatlicher Stütze schützen. Die Bundesregierung muss sich dieser Herausforderung endlich bewusst werden, anstatt die guten Konjunkturdaten eher unbekümmert als Selbstverständlichkeit zu deuten.