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| 19:57 Uhr

Kommentar Pro Klimastreik
Friedliche Revolution nach Feierabend

 André Bochow
André Bochow FOTO: MOZ
Kann schon sein, dass der Klima­streik gar kein richtiger Streik ist. Gewerkschafter schlagen vor, Urlaub zu nehmen, Unternehmen geben ihren Mitarbeitern frei und ganze Schulklassen machen wieder einmal politischen Unterricht auf der Straße.

So ist das halt in Deutschland. Na und? Auch die friedliche Revolution vor 30 Jahren fand im Wesentlichen nach Feierabend statt. Die Mauer ist trotzdem gefallen.

Wichtig ist jetzt in Sachen Klima, dass so viele Menschen wie nur möglich den Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft klarmachen: Eine Mehrheit, eine große Mehrheit will, dass gehandelt wird. Sofort. Um das zu verdeutlichen, ist alles jenseits von Gewalt legitim. Politische Streiks sind keineswegs grundgesetzwidrig, sie werden in keinem Gesetz erwähnt und es hat sie auch immer wieder gegeben. Gegen Notstandsgesetze, gegen das Misstrauensvotum, dem sich Willy Brandt ausgesetzt sah, gegen die Rente mit 67 – warum nicht auch gegen klimaschädliche Politik?! Die Begrenzung der Erderwärmung ist schließlich kein Modethema. Nur sehr vernagelte Zeitgenossen verschließen sich der Einsicht, dass das Leben auf diesem Planeten unerträglich werden könnte, wenn jetzt nicht mit drastischen Maßnahmen gegengesteuert wird. Klimahysterie? Panikmache? Das sind hilflose Kampfbegriffe von Leuten, die sich der Realität nicht stellen wollen. Wobei, ein Eckchen hält fast jeder von uns in seinem Herzen für die Hoffnung frei, dass es schon nicht so schlimm wird. Sonst würden wir uns im Alltag anders verhalten. Auch um sich das bewusst zu machen, ist ein Klima­streik nützlich. Deshalb: Mitmachen! ⇥politik@lr-online.de