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| 01:01 Uhr

Freude über Freilassung von Susanne Osthoff

Berlin.. Nach mehr als dreiwöchiger Geiselhaft im Irak ist die Deutsche Susanne Osthoff wieder frei. Das bestätigten Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und der Bruder der Entführten, Robert Osthoff, gestern Abend. Die 43-Jährige befinde sich in der sicheren Obhut der deutschen Botschaft im Irak. Die Entführer hätten angekündigt, auch ihren Fahrer in Freiheit zu entlassen. dpa


Die Bundesregierung teile die Erleichterung der Familie über die Freilassung. "Ich bin sehr glücklich", sagte Robert Osthoff. Das Bundeskriminalamt habe ihn um kurz vor 19 Uhr über die Freilassung informiert.
Auch der Bürgermeister von Susanne Osthoffs früherer Heimatgemeinde Glonn in Bayern, Martin Esterl, hat die Nachricht von der Freilassung der Archäologin mit Freude aufgenommen. Er freue sich vor allem für die Familie und die Menschen, die sich die ganze Zeit über für die Archäologin eingesetzt hatten. "Ich freue mich natürlich darauf, wenn wir sie hier wieder persönlich begrüßen dürfen." Das werde allerdings noch einige Zeit dauern, erst einmal brauche Osthoff jetzt viel Ruhe.
Außenminister Steinmeier sagte, die Bundesregierung appelliere dringend an die Entführer, weitere Geiseln freizulassen. Im Irak sind in den vergangenen Wochen außer Osthoff mehrere andere Westeuropäer verschleppt worden. Steinmeier sprach allen seinen Dank aus, die zur Freilassung Osthoffs beigetragen hätten, darunter der Botschaft im Irak, dem Krisenstab im Auswärtigen Amt und allen, die Solidarität mit der Entführten demonstriert haben.
Der Zentralrat der Muslime in Deutschland reagierte erfreut über das Ende der Geiselnahme. "Möge Gott unser Land, die deutsche Bevölkerung und die gesamte Welt vor ähnlichen verbrecherischen Handlungen in Zukunft bewahren", sagte der Zentralratsvorsitzende Nadeem Elyas.

Archäologin der Spionage verdächtigt
Osthoffs Schwester Anja hatte sich noch vor wenigen Tagen mit einem eindringlichen Appell an die Deutschen gewandt und sie zur Solidarität mit der Geisel aufgerufen. Viele Menschen nahmen an Mahnwachen teil. Zahlreiche deutsche Prominente richteten sich in Appellen sowie in Fernsehspots an die Entführer, die auch im Irak zu sehen waren und forderten so Osthoffs Freilassung. Auch zahlreiche RUNDSCHAU-Leser hatten in den vergangenen Wochen auf einer eigens eingerichteten Internetseite ihre Anteilnahme bekundet.
Das Nachrichtenmagazin "Focus" hatte am Wochenende unter Berufung auf den Krisenstab im Auswärtigen Amt berichtet, Osthoff sei von ihren Entführern zunächst der Spionage für einen westlichen Geheimdienst verdächtigt worden. Die radikalislamische Gruppe "Armee der Mudschahedin", die Medienberichten nach Osthoff entführt haben soll, distanzierte sich kategorisch von derartigen Geiselnahmen. Beobachter halten es für möglich, dass die Kidnapper den Namen einer islamistischen Extremistengruppe benutzten, um mehr Lösegeld zu fordern.

Bereits in der Schule vom Irak fasziniert
Die 43-jährige Archäologin war am 25. November gemeinsam mit ihrem irakischen Fahrer in der nordirakischen Provinz Ninive verschleppt worden. In einem der ARD in Bagdad übergebenen Video drohten die Entführer mit der Tötung ihrer Geiseln. Osthoff hatte sich seit vielen Jahren für die Menschen im Irak engagiert. Sie war sich der Gefahren dabei wohl bewusst. "Wer die Nerven verliert, ist tot", sagte sie 2004 in einem Interview. Sie schwärmte von dem Land als "Ursprung der Kultur" und von den "hochgebildeten und sensitiven" Irakern. Seit Jahren leistete sie Hilfe für die Menschen in dem von Saddam Husseins Diktatur, Wirtschaftssanktionen und Krieg gezeichneten Land.
Bereits im Religionsunterricht hatten sie Themen wie die Hängenden Gärten von Babylon fasziniert. Sie studierte Vorderasiatische Archäologie, lebte jahrelang im Jemen und nahm 1984 erstmals an Grabungen im Irak teil. Sie lernte Arabisch und trat zum Islam über, auch wegen ihres aus Jordanien stammenden Mannes. Obwohl ihre Ehe nach wenigen Jahren zerbrach, blieb Osthoffs Liebe zum Irak. Auch zur Zeit der Wirtschaftssanktionen und während des Irak-Krieges reiste die Frau aus Bayern immer wieder in die Krisenregion - "um Zeichen zu setzten, um Brücken zu schlagen", wie sie sagte. (dpa/AFP/uf)

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