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| 18:18 Uhr

Contra Gesundheitscheck
Freie Fahrt für Senioren

FOTO: MOZ
Welchem Autofahrer ist das nicht schon passiert: Der Wagen vor einem schleicht dahin, und am Steuer sitzt – natürlich! – ein „Rentner mit Hut“. Das ärgert manchen. Von Michael Gabel

Und schnell kommt der Reflex: Warum hat der noch den Führerschein? Doch die Reaktion ist falsch, denn vorsichtiges Fahren hat nichts mit mangelnder Verkehrstüchtigkeit zu tun. Im Gegenteil: Mancher jugendliche oder nicht mehr ganz so junge Raser sollte sich an der ruhigeren und bedächtigeren Fahrweise vieler Älterer lieber ein Beispiel nehmen.

Kritiker fordern Fahrverbote oder Tauglichkeitsprüfungen für Senioren. Sie führen ins Feld, dass immer mehr Ältere an Autounfällen beteiligt sind. Das stimmt zwar. Aber der Grund ist simpel: Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung steigt ebenfalls. Eine Statistik des ADAC macht aber deutlich, wie vergleichsweise ungefährlich Rentner im Straßenverkehr sind: Demnach ist die Generation 65+ nur an 16 Prozent der Unfälle mit Personenschäden beteiligt, obwohl sie 21 Prozent der Bevölkerung ausmacht.

Der Großteil der Senioren ist ohnehin bereit, ab einem gewissen Alter das Autofahren einzuschränken oder ganz einzustellen. Das ist vernünftig und hebt sich wohltuend vom Altersstarrsinn eines Prinzen Philip ab, der das Lenkrad einfach nicht loslassen kann. Doch solche Risikofahrer aus dem Verkehr zu ziehen, geht auch heute schon. Denn bereits jetzt haben Ärzte die Pflicht, fahruntaugliche Patienten vom Steuer fernzuhalten; sie müssen dieser nur konsequent nachkommen.

Ansonsten ist die Polizei dafür zuständig, Senioren mit auffälliger Fahrweise zu kontrollieren und gegebenenfalls den Führerschein einzukassieren. Bei Alkoholverstößen klappt das ja auch ganz gut.

politik@lr-online.de