| 21:45 Uhr

Krimi-Kolumne
Im Horrorsektor experimentiert

Rüdiger Hofmann
Rüdiger Hofmann FOTO: M. Behnke / DC
Das war definitiv Neuland, was am Sonntag im Frankfurter Tatort „Fürchte dich“ betreten wurde. Der Zuschauer taucht ein in einen parapsychologischen Schocker über ein ehemaliges Waisenhaus. Passend zu Halloween, und noch passender in Zeiten, in denen die Kinokassen gut gefüllt werden durch Stephen Kings Horror-Revival von „Es“. Von Rüdiger Hofmann

Tote, die durch die Münder von Lebenden sprechen. Greise, in deren Gesichtern sich noch immer das Grauen spiegelt, das sie vor vielen Jahrzehnten als Kind gesehen haben. Rückstände eines Verbrechens, die gut verscharrt unter dem Kellerboden liegen oder unter Holzdielen auf dem Dachboden versteckt sind. Kann das in einem Tatort funktionieren?

Liebhaber des Horrorfilm-Genres erkennen Parallelen zu „Shining“, als einer den Schürhaken fast so entschlossen nutzt wie Jack Nicholson einst die Axt vor der Badtür. Das ehemalige Waisenhaus mutet an wie das Motel von Norman Bates in Hitchcocks „Psycho“. Vermieterin Fanny könnte mit ihren Gruselkontaktlinsen in jedem besseren Zombiefilm mitspielen. Als sie eine als Knebel gedachte Sportsocke herunterschluckt und grunzende Geräusche macht wie die Untoten, wirkt der Film von Andy Fetscher fast wie eine Parodie auf einen Horrorfilm. Für eine Parodie nimmt er sich dann aber doch zu ernst.

Kommissar Paul Brix (Wolfram Koch) wird allmählich das Fürchten gelehrt, mehr noch seiner Kollegin Anna Janneke (Margarita Broich), die irgendwann nicht mehr weiß, ob ihre Wahrnehmungen noch real sind oder nicht. Dachböden werden wohl beide künftig meiden. Die fantastischen Elemente legen eine psychologisch schlüssige Geschichte offen, bei der sich der Fluch eines Verbrechens auf drei Generationen einer Familie auswirkt. Als jüngste Vertreterin dieser Familie muss die Schülerin Merle (die Rolle der alle Gefahren durchstehenden Horror-Heldin spielt Luise Befort großartig) den geballten Schrecken fast alleine schultern.

Insgesamt ist dem Hessischen Rundfunk das Experiment gelungen, eine Krimigeschichte mit Horror- und einigen (erwartbaren) Schocksequenzen zu verbinden, manchmal wühlt der Tatort aber doch zu tief in der Klischeekiste.