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| 15:13 Uhr

Leitartikel Hackerangriff auf Regierungsnetz
Fleischfresser im Intranet

FOTO: krohnfoto.de
Demokratien sind offene Gesellschaften, die Computer ihre Scheunentore. Eine kleine Trollarmee aus St. Petersburg hat versucht, den amerikanischen Wahlkampf zu beeinflussen. In Deutschland wurde vor drei Jahren die IT-Infrastruktur des Bundestages infiltriert. Die Amerikaner hörten Angela Merkels Handy ab, die Nordkoreaner versuchen immer wieder weltweit Hacker-Angriffe auf sensible Daten, die Chinesen dürften ebenfalls mitmischen. „Als einziger Vegetarier werden wir es in der Welt der Fleischfresser verdammt schwer haben“, hat Außenminister Sigmar Gabriel vor zwei Wochen bei der Sicherheitskonferenz in München gesagt. Er hat das ganz allgemein gemeint.

Nach Lage der Dinge hat der SPD-Politiker da schon gewusst, dass sein eigenes Ministerium Opfer einer möglicherweise lange dauernden und möglicherweise ertragreichen Spähattacke geworden war, die ihren Ursprung und Nutznießer vermutlich ebenfalls in Russland hatte. Gabriel und das für die IT-Sicherheit zuständige Innenministerium werden sich nun fragen lassen müssen, wie weit die Sorglosigkeit in der Bundesregierung gegangen ist. Ob die Technik reicht, ob das Personal reicht, ob die Aufmerksamkeit reicht. Denn Parteien, Parlamente und private Facebook-Accounts sind das eine. Ministerien, noch dazu sicherheitsrelevante wie das Außenministerium, das andere. Die Frage ist, ob auch die deutsche Spionageabwehr inzwischen zum Vegetarier geworden ist.

Zu Zeiten des Kalten Krieges hätte ein solcher Spähangriff, wie er jetzt passiert ist, alle Alarmsignale auf Rot gestellt. Damals herrschte eine ganz andere Aufmerksamkeit. Wie die Entwicklung zeigt, ist es höchste Zeit, dieses Aufmerksamkeitsniveau bei der IT-Sicherheit wieder zu erreichen. Der Außenminister hat recht: Die Fleischfresser werden immer mehr. So leicht sollte sich das Hightech-Land Deutschland aber nicht vernaschen lassen. Von wem auch immer.