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| 18:16 Uhr

Kommentar zu Fettabsaugen als Kassenleistung
Schnell den Hang zur Selbstblockade überwinden

 Hajo Zenker
Hajo Zenker FOTO: MOZ
Keine Frage: Die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen nervt häufig. Es wird lange, lange um einen Kompromiss gerungen, der dann oft nur auf dem allerkleinsten gemeinsamen Nenner fußt.

Das liegt auch daran, weil in dem sogenannten Gemeinsamen Bundesausschuss, dem höchsten Gremium der Selbstverwaltung, Vertreter von Krankenkassen genauso sitzen wie der Ärzte und Krankenhäuser – Parteien mit höchst unterschiedlichen Interessen also. Und die ringen um die eine Milliarde Euro, die täglich im Gesundheitswesen ausgegeben wird.

Und wenn es etwa deshalb nach jahrelangen Verhandlungen nicht gelungen ist, Personaluntergrenzen in Krankenhäusern zu vereinbaren, dann tut der Gesetzgeber gut daran, hier einzugreifen. So wie das Minister Jens Spahn bereits getan hat.

Aber jetzt ausgerechnet beim Fettabsaugen ein neuerliches Exempel zu statuieren, erstaunt jedoch. Es gibt ja bisher konventionelle Behandlungsmethoden, und zur Wirksamkeit des Fettabsaugens ist vom Bundesausschuss bereits ein Studie in Auftrag gegeben worden, deren Ergebnis noch aussteht.

Der Minister hat hier einfach nach einem neuen Beispiel gesucht, um Druck auszuüben.

Und das sollte man nicht unterschätzen. Die Reaktion der Krankenhäuser auf Spahns Attacke auf den Bundesausschuss zeigt, dass es durchaus einen Stau bei der Einführung innovativer Behandlungsmethoden gibt. Die Selbstverwaltung muss also im eigenen Interesse schnellstmöglich den Hang zur Selbstblockade überwinden. Denn sonst macht sie sich überflüssig. Und der Staat entscheidet alles im Gesundheitswesen bis ins letzte Detail selbst.