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| 01:07 Uhr

Fatale Reaktionen

Gerhard Schröder war einmal ein guter Verkäufer. Er konnte sich, seine Ideen und seine Politik perfekt vermarkten. Seine Botschaften waren klar und verständlich. Dies kam an und sicherte ihm den Einzug ins Kanzleramt. Auch dort gelang es ihm anfangs, sich medienwirksam zu inszenieren.

Die ersten kleinen Fehler wurden von großen Gesten überdeckt. Aus dem guten Verkäufer wurde ein noch besserer Schauspieler. Auch nach ersten Rückschlägen glänzte er weiter vor Fernsehkameras und strahlte vor Fotografen. Doch diese Inszenierungen kommen zunehmend schlechter an. Das Publikum interessiert sich wieder mehr für die Inhalte als für den Darsteller.
Der aktuelle Streit zwischen dem Bundeskanzler und „Bild“ muss vor diesem Hintergrund gesehen werden.
Gerhard Schröder ist kein guter Verkäufer mehr. Seine dringend notwendigen Reformen sind keine Kassenschlager, die sich leicht vermarkten lassen. Sie verlangen besonderes Engagement und große Überzeugungskraft.
Hat der Kanzler dabei wirklich ein Problem mit „Bild“ ? Nein. Das Problem von Gerhard Schröder ist vor allem er selbst. Ihm gelingt es nicht mehr, seine Vorhaben und Reformen so zu erklären, dass die Menschen sie verstehen und bereit sind, ihn zu unterstützen. Wie auch, wenn ihm in vielen Sachfragen nicht einmal weite Teile seiner eigenen Partei folgen.
Dieses Vermittlungsproblem findet ganz natürlich auch seinen Ausdruck in einer kritischeren Begleitung durch alle Medien. Das einzelne den Kanzler besonders im Visier haben, ist ihr gutes Recht. Dass Gerhard Schröder dies nicht gefällt, ist verständlich, aber ohne Belang. Meinungs- und Pressefreiheit sind hohe Güter.
Dass der Kanzler bestimmte Journalisten und Medien ausgrenzen will, ist menschlich nachvollziehbar, presserechtlich aber äußerst problematisch und politisch völlig ungeschickt.
Die fatalen Reaktionen seines Regierungssprechers Bela Anda, der früher ebenso wie Doris Schröder-Köpf bei „Bild“ gearbeitet hat, zeigen das Ausmaß der Nervosität im Umfeld von Gerhard Schröder. Derartige Überreaktionen sind weder geeignet, das Bild des Kanzlers in der Öffentlichkeit zu verbessern, noch dafür, mehr Akzeptanz für seine Politik zu schaffen.