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| 02:46 Uhr

Es kommt alles schlimmer

Nun also Herbst 2013. Die nächste Verzögerung, die nächste Pleite beim Großflughafen BER. Kommentare BenjaminLassiwe

Eine Überraschung ist das nicht. Beim Bau des neuen Airports scheinen doch nur noch zwei Regeln wirklich dauerhaft zu gelten: Informationen gibt es prinzipiell nur scheibchenweise. Und grundsätzlich kommt immer alles schlimmer als gedacht.

Von einem erfolgreichen Projekt für die Region jedenfalls wird man wohl selbst dann nicht reden können, wenn in Schönefeld endlich einmal ein Flugzeug seine Reisenden ins neue Terminal entladen hat. Eher schon von einem Desaster, dessen Folgen noch unsere Kinder und Kindeskinder beschäftigen werden. Denn dass auch die neuen Verzögerungen beim Flughafenbau zu immer höheren Kosten für die öffentlichen Haushalte führen werden, ist schon heute klar. Von der Prignitz bis zur Lausitz werden wir alle die Folgen spüren.

Wie hoch die Kosten tatsächlich werden, ist lange noch nicht abzusehen. Das hängt vom Brandschutz ab, von den Schadenersatzforderungen der Fluglinien und auch von der Frage, ob der neue Großflughafen am Ende überhaupt noch eine Chance hat, sich als großes, funktionierendes Drehkreuz am Markt zu positionieren. Wie wirtschaftlich der neue Airport wird, wird erst die Zukunft zeigen. Dass die beiden Regierungschefs Matthias Platzeck und Klaus Wowereit unter diesen Umständen immer noch im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft sitzen und dieses Amt noch immer nicht an kompetente Experten abgegeben haben, gleicht da schon dem berühmten Stück aus dem Tollhaus. Wenn in diesen Tagen heftige Rotationsgeräusche aus dem Grab von Willy Brandt zu hören wären, würde das nicht wundern: Die Unfähigkeit seiner Parteigenossen im Umgang mit dem nach ihm benannten Flughafen hätte dem großen Kanzler sicher nicht gefallen.

Doch das alles ist noch nicht einmal das Schlimmste. Das wirklich Allerschlimmste ist die Ursache für die neueste Verzögerung: die fehlenden Pläne. So lange selbst Chefplaner Horst Amann keinen Überblick über die Baustelle bekommen kann, weil die Unterlagen fehlen, so lange wird auch jede Information über den weiteren Fortgang des Bauprojekts nur provisorisch sein. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Flughafen erst 2014 öffnet oder 2015 oder passenderweise am 31. Oktober 2017, zum 500. Jahrestag der Reformation. Streng genommen stochern alle, die sich heute zum Flughafen äußern, wie wild im Nebel herum - wie lange es am Ende wirklich dauern wird, kann ohne Pläne niemand verbindlich sagen. Nur dass es immer noch einmal schlimmer kommen wird, davon kann man beim BER schon heute sicher ausgehen.

politik@lr-online.de