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Kolumne Post aus Dresden
Pink stinkt

Christine Keilholz
Christine Keilholz FOTO: Sebastian Schubert / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Wenn es eine Frau gibt, die die Welt beherrscht, dann ist es Barbie. Richtig, die Puppe mit den Beinen, Brüsten, blonden Haaren, dicken Lippen und falschen Wimpern. Barbie ist irgendwie überall. Jeder hat sie gehabt, alles hat sie getragen, sie versuchte sich als Rollschuh-Girl und als Rock-Star, obwohl sie beim besten Willen nicht singen kann. Man hat von dieser Dame nie einen vernünftigen Satz gehört. Allerdings auch keinen dummen, das muss ehrlicherweise dazugesagt werden. Trotzdem gibt es viele Menschen, die mit Barbie ein Problem haben, und die sind meistens weiblich: Kleine Mädchen meinen, sie hätten zu wenige Barbies. Mütter finden Barbie zu tussig. Omas brechen sich fast die Finger beim Häkeln winziger Barbie-Jäckchen. Christine Keilholz

Manch eine hat sich gar die Ablehnung der Barbie zur politischen Aufgabe gemacht. Wie die Hamburgerin Stevie Schmiedel, die eigens die Organisation „Pink-
stinks“ gegründet hat. Die promovierte Genderforscherin engagiert sich nicht dagegen, dass Mädchen pinke Sachen tragen und meinen, sie müssten so aussehen wie Barbie. Dem Sexismus und dem von Barbie vorgelächelten Stereotyp will Schmiedel ein modernes Frauenbild entgegensetzen. Seit fünf Jahren kämpft ihre Organisation gegen ein Bild vom Frausein, das Barbie populär gemacht hat.

Zum Dank dafür hat „Pinkstinks“ jetzt den Louise-Otto-Peters-Preis der Stadt Leipzig bekommen. Der Preis ehrt besondere Leistungen zur Gleichstellung von Männern und Frauen. Der mit 5000 Euro dotierte Preis ist nach Louise-Otto Peters benannt, einer Leipziger Frauenrechtlerin aus dem 19. Jahrhundert. Damals hieß pink noch rosa und man trug es höchstens als Unterwäsche. Und wenn es dreimal in der Kochwäsche war, hieß es dann fleischfarben und war somit moralisch und politisch völlig in Ordnung.