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| 17:45 Uhr

Kommentar zu Krankenkassenbeiträgen
Erst vor und dann zurück

Guido Bohsem
Guido Bohsem FOTO: LR
Im Gesundheitssystem geht es um die Gesundheit der Patienten und um das Geld derer, die ersteres zu ihrem Beruf gemacht haben. Weil die Patienten aber kein Sprachrohr haben, meldet sich meistens Gruppe zwei, die Krankenhäuser, Ärzte, Apotheker, Pharmaindustrie zu Wort, und das umso lauter.

Ja, „Gesundheit“ ist ein Milliardengeschäft. Es handelt sich um eine der wichtigsten Branchen des Landes. Sie bietet Hunderttausenden Beschäftigung, produziert gewaltige Umsätze und zahlt dem Staat sehr viele Steuern.

Deshalb kennt das System auch nur zwei nennenswerte Aggregatzustände: viel Geld oder wenig Geld. Ist zu wenig Geld vorhanden, wird gekürzt und alles für mehr Wettbewerb getan. Sind die Kassen voll, werden die Reformen der schlechten Zeiten wieder aufgeweicht oder zurückgedreht. Ein schönes Beispiel ist die inzwischen abgeschaffte Praxisgebühr, ein anderes die gerade vom Bundestag beschlossene Reform, wonach die Arbeitgeber nun auch die Hälfte des Zusatzbeitrages zahlen.

Das bringt deutliche Entlastungen, und kein Arbeitnehmer wird sich über das zusätzliche Geld beschweren. Doch der Grundgedanke der Idee wird aufgegeben, nämlich, dass die Kassen über den Preis um Versicherte konkurrieren. Waren viele Arbeitnehmer schon jetzt zu träge, um sich eine billigere Kasse zu suchen, werden sie das in Zukunft erst recht sein. Denn je teurer die Kasse war, desto größer fällt ja zum Jahresbeginn die Entlastung aus. Das geht so lange gut, bis der nächste Konjunktur­einbruch kommt und die Milliarden-Euro-Polster im Gesundheitsfonds und bei den Krankenkassen abgeschmolzen sind. Und dann müssen die Einschnitte umso härter sein. ⇥politik@lr-online.de