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| 21:45 Uhr

Kolumne
Kein Raum für Scherze

Anja Hummel
Anja Hummel FOTO: Sebastian Schubert / LR
Der Dresdner Fall ist einer der wenigen Tatorte, der einen nach dem Abspann regungslos an die Wand starren lässt. Der einen tief erschüttert, nachdenklich stimmt, mit einem erdrückenden Gefühl zurücklässt. Und der einen die Tränen in die Augen treibt. Anja Hummel

Das Thema: Pädophilie. Sexuelles Verlangen nach Kindern. Die Dresdner zeigen einen erschreckenden Fall, der keinen Raum für Scherze lässt. Weder Kommissariatschef Schnabel noch seine Kolleginnen Sieland und Gorniak sind wie üblich zum sarkastischen Umherwitzeln aufgelegt. Die emotionale Wucht des Falles macht das unmöglich. Dresden schafft es, die beklemmenden Gefühle direkt ins eigene Wohnzimmer zu transportieren. Ob man will oder nicht.

Im Tatort „Déjà-Vu“ werden zwei Fälle aufgeklärt. Die Opfer: kleine Jungs, widerlich angelockt, betäubt, missbraucht, getötet, weggeworfen. Zurück bleiben Eltern, die nicht wissen wohin mit ihrer Hilflosigkeit und Trauer, während ein pädophiler Techniker mit ekelhaft funkelnden Augen in seinem „blauen Kastenwagen“ von Kita zu Kita zieht. Und während eine Frau ihren Mann deckt, sich schützend vor ihn stellt, falsche Fährten legt. All das, obwohl sie sich über die perversen Gelüste ihres Gegenübers im Klaren ist, die Perversitäten sogar mitspielt. Kann Liebe einen wirklich so betäuben, so blind machen, so grenzenlos sein?

Rein gar nicht grenzenlos sind die Ermittlungsmöglichkeiten der Polizei. Kritik an unumgänglichen Datenschutzgesetzen wird laut. Zu recht. Verordnungen aushebeln? Wann denn bitte, wenn nicht zum Schutze wehrloser Kinder? Die Presse titelt mit dem „Monster von der Elbe“, ein Unschuldiger wird seines Lebens nicht mehr froh, ein machtloser Vater verliert die Kontrolle. Eine Tragödie, in der Hass, Schmerz, Trauer, Wut und Ekel ineinander verschwimmen.

Zum Schluss bleibt der furchtbare Weg zu jenen Eltern, die eine Antwort auf die schrecklichste Frage auf Erden bekommen. Auch wenn es nur ein Tatort-Drehbuch ist: Der Schmerz, die Wut, die Verzweiflung treffen den Zuschauer nach diesem stummen Ende brachial real.