ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:20 Uhr

Leitartikel
Wieder ein Fall wie Kandel

Werner Kolhoff
Werner Kolhoff FOTO: LR / Redaktion
Der Fall des ermordeten Wiesbadener Mädchens Susanna wirkt wie ein zweiter Fall Kandel und wird die Kritiker der Asylpolitik erneut mobilisieren. Der Mord an sich markiert dabei nicht die eigentliche politische Dimension. Von Werner Kolhoff

Ein pubertierendes Mädchen treibt sich im Umfeld von Heimen mit Jungs herum – so etwas  geht nicht immer gut. Die Tat, so abscheulich sie ist, hat nichts mit der Nationalität von Opfer und Tätern zu tun. Die hätte auch umgekehrt verteilt sein können. Und wahr ist auch, dass so ein Ereignis nichts aussagt über junge Männer generell, auch nichts über junge Flüchtlinge.

 Auf der Seite der mutmaßlichen Täter aber offenbart dieser Mord wie in einem Brennglas alles, was schiefgelaufen ist seit dem großen Flüchtlingsstrom von 2015. Antragsteller, deren Asylgründe komplett vorgeschoben sind, und die damit weit kommen. Identitäten, die frei erfunden werden. Nicht einmal fällt auf, dass bei der Flucht einer ganzen Großfamilie zurück in das Land ihrer angeblichen Verfolgung  am Düsseldorfer Flughafen Dokumente mit verschiedenen Namen vorgezeigt werden. Einer der Tatverdächtigen war massiv kriminell auffällig und als Asylbewerber schon abgelehnt. Trotzdem durfte er bleiben. Der Fall zeigt: Wer wollte, konnte den 2015 eingetretenen Kontrollverlust ausnutzen – und kann es bis heute. Wie blauäugig sind die  Behörden? Und wie schlecht organisiert?

Der Bamf-Skandal zeigt: extrem schlecht. Das Asylverfahren und die Rechtslage müssen human sein und bleiben. Aber sie dürfen dem Missbrauch auch nicht länger Tür und Tor öffnen. Das ist, jenseits einer rückwärtsgewandten Betrachtung über Fehler in der Vergangenheit, die eigentliche Aufgabe, die vor der Großen Koalition liegt. Sie sollte sich nicht täuschen, wie groß die Wut nach solchen Straftaten ist.