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| 17:58 Uhr

Erdogan und der Fall Khashoggi
Ein eiskaltes Spiel

Hagen Strauß
Hagen Strauß FOTO: LR / Redaktion
Der türkische Präsident Erdogan ist ein Meister im Polit-Poker. Das hat er schon während der fortdauernden Auseinandersetzung mit der Bundesregierung über in der Türkei inhaftierte Deutsche und bei den umstrittenen Wahlkampfauftritten seiner Regierungsmitglieder hierzulande bewiesen.

Im Fall des ermordeten Journalisten Khashoggi zeigt Erdogan erneut, wie sehr er Politik auch als eiskaltes Spiel versteht.

Erdogan will den Druck auf Riad möglichst lange aufrechterhalten. Darum geht es dem Präsidenten. Deswegen hat er gestern nichts Neues auf den Tisch gelegt. Er, der bekanntlich nicht gerade zimperlich im Umgang mit Journalisten im eigenen Land ist, nutzt die Gunst der Stunde, um sich auch international als Aufklärer in diesem weltweit beachteten Fall zu produzieren. Das wiederum soll ihm neues Prestige bringen und helfen, das schlechte Verhältnis zum Westen, insbesondere zu den USA, wieder etwas zu verbessern.

 Gleichzeitig steht die Türkei in regionalem Wettbewerb zu Saudi-Arabien, wenn es um Einfluss und Macht geht. Die Beziehungen zwischen Ankara und Riad sind seit Langem sehr gestört. Wegen alledem kommt Erdogan der Fall somit äußerst gelegen. Er pokert genauso wie US-Präsident Donald Trump, der mal harsch Aufklärung fordert und mal aus Eigennutz vor den wirtschaftlichen Folgen einer Isolation Saudi-Arabiens warnt. Trump benötigt Riad dringend in seiner Auseinandersetzung mit dem Iran, den er mit Wirtschaftssanktionen in die Knie zwingen will. Drehen die Mullahs in Teheran im Gegenzug den Ölhahn zu, braucht Trump Ersatz – und den können nur die Saudis liefern.

Im Fall Khashoggi geht es also nicht nur um Aufklärung, sondern auch um handfeste nationale Interessen der Akteure in einem internationalen Machtpoker. Mittendrin steckt auch die Bundesregierung, die in Worten gegenüber Riad endlich klarer geworden ist. Sie pokert freilich nicht weniger als andere. Ebenfalls aus ökonomischen Motiven.

⇥politik@lr-online.de