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| 16:43 Uhr

Leitartikel Giftgasanschlag in Großbritannien
Endlich smarter werden

Ulrich Krökel
Ulrich Krökel FOTO: Redaktion / LR
John le Carré, legendärer Thriller-Autor des Kalten Krieges, hätte es sich nicht finsterer ausmalen können. Da wird ein britischer Ex-Spion in einer englischen Kleinstadt mit einem waffenfähigen Nervengift attackiert, und die heißeste Spur führt nach Russland. Wieder einmal. Wie bei dem Mord an dem KGB-Überläufer Alexander Litwinenko 2006. Aber auch: Wie bei den Cyber-Attacken auf Bundestag und Bundesregierung. Wie bei der Einmischung in den US-Wahlkampf.

John le Carré, legendärer Thriller-Autor des Kalten Krieges, hätte es sich nicht finsterer ausmalen können. Da wird ein britischer Ex-Spion in einer englischen Kleinstadt mit einem waffenfähigen Nervengift attackiert, und die heißeste Spur führt nach Russland. Wieder einmal. Wie bei dem Mord an dem KGB-Überläufer Alexander Litwinenko 2006. Aber auch: Wie bei den Cyber-Attacken auf Bundestag und Bundesregierung. Wie bei der Einmischung in den US-Wahlkampf.

Natürlich kann man all das zu Zirkusnummern westlicher Propaganda erklären, wie offizielle Stellen in Moskau dies tun. Der wichtigste Hinweis im aktuellen Fall Skripal ist allerdings von erdrückendem Gewicht: Das verwendete Gift aus der Nowitschok-Gruppe stammt mit höchster Wahrscheinlichkeit aus sowjetischer Produktion.

Die britische Premierministerin Theresa May kann folglich mit gutem Grund behaupten, der russische Staat sei, wenn nicht Auftraggeber, so zumindest indirekt für die Tat verantwortlich. Im letzteren Fall wäre das Gift aus einem Hochsicherheitslabor in die Hände Unbefugter gelangt – ein im höchsten Maß beunruhigendes Szenario.

Über die Hintergründe des Anschlags lässt sich bestenfalls spekulieren. May hat deshalb gut da­ran getan, von Russland zunächst ultimativ Auskunft zu verlangen. Sie wird die gewünschten Informationen natürlich trotzdem nicht bekommen, weil der Kreml das Ganze zu einer Farce erklärt hat. Was aber ist dann zu tun?

Die Briten haben eine Liste mit möglichen Sanktionen lanciert. Sie reicht von der Ausweisung von Diplomaten über Kontosperrungen für Putin-Freunde und Blockaden im internationalen Finanzsystem bis hin zu der Drohung, die Fußball-WM in Russland zu boykottieren. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass davon wenig in die Tat umgesetzt werden wird. Der Grund ist simpel: Es bringt nichts oder schadet beiden Seiten.

Letztlich muss es im Westen um anderes gehen. Es gilt, die eigenen Verteidigungsfähigkeiten zu stärken, vor allem im Bereich der Cyber-Technologien. Es gilt, endlich smarter zu werden. Intelligenter. Klüger. Gewiefter. Eine smarte Politik gegenüber Russland müsste aber auch viel ernsthafter als bisher versuchen, mit den Mächtigen in Moskau wieder in ein echtes Gespräch zu kommen. Dazu wiederum braucht man zuallererst nur eines: guten Willen.