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| 19:01 Uhr

Contra Spitzenforschung in der Provinz
Eliten in Industrie und Forschung fördern

 Igor Steinle
Igor Steinle FOTO: MOZ
Es ist kein Geheimnis, dass Deutschland bei vielen Schlüsselindustrien der Zukunft nicht zur Weltspitze gehört. Bei Digitalisierung und Elektroautos ist vom Silicon Valley und China die Rede, nicht von der Bundesrepublik.

Wie konnte das passieren?

Ein Teil der Antwort ist, dass man in Deutschland lange ein Problem mit Elitenförderung hatte. Forschungsförderung und Industriepolitik wurde oft mit der Förderung strukturschwacher Regionen vermengt. Man versucht neue Institute dort aus dem Boden zu stampfen, wo man gerade dringend neue Arbeitsplätze benötigt. Warum das nicht gut gehen kann, sieht man aber zum Beispiel am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken.

Mit viel Fördergeld ist dort ein Institut für Grundlagenforschung von Weltrang entstanden. Komischerweise spricht trotzdem niemand vom Silicon Saarland. Dabei hätte es auch anders sein können. Nämlich dann, wenn das DFKI in räumlicher Nähe zu exzellenten Universitäten und umtriebigen Unternehmern in ein vorhandenes Ökosystem eingebunden wäre, etwa in Berlin, Hamburg oder München. Genau dasselbe gilt für die Batterieindustrie: Bei dem Rückstand, den man zu den Chinesen hat, kann sie nur dort konkurrenzfähig werden, wo es bereits Expertise gibt: in Stuttgart, München oder Wolfsburg.

Das bedeutet nicht, dass man das übrige Land sich selbst überlassen sollte. Im Gegenteil. Aber mit dem Ausbau von Infrastruktur und Fachhochschulen kann man ebenfalls beste Möglichkeiten schaffen. Wer jedoch die guten Arbeitsplätze in Deutschland erhalten will, muss die Besten in Industrie und Forschung besser fördern. Und zwar dort, wo es Sinn macht.