ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:30 Uhr

Leitartikel zur Abschiebungen in Maghrebstaaten
Gute Begleitmusik für eine Normalisierung

FOTO: MOZ
Auch wenn die Debatte über schnellere Abschiebungen in die Maghreb-Staaten noch läuft: Die Zahl der Zurückgebrachten erhöht sich unabhängig davon weiter. Seit dem Jahr der Flüchtlingskrise 2015 hat sie sich teilweise mehr als verzehnfacht.

Die Ursache dafür liegt weniger in einer steigenden Zahl abschlägig beschiedener Asylanträge für Nordafrikaner – deren Anerkennungsquote rangiert in Deutschland unverändert im unteren einstelligen Prozentbereich. Vielmehr ist es vor allem einer besseren Zusammenarbeit mit den nordafrikanischen Staaten zuzuschreiben, dass die sogenannten Rückführungen häufiger stattfinden können.

Nach dem Abbau des Antrags-Rückstaus beim Migrationsamt Bamf gibt es nämlich vor allem ein Nadelöhr, das die tatsächliche Abschiebung von ausreisepflichtigen Asylbewerbern hemmt: die Beschaffung von Ersatzpässen. Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge kommt in Europa ohne Ausweisdokumente an. Es ist mühselig und langwierig, von ihren Herkunftsstaaten Papiere anzufordern. Oftmals haben Länder, vor allem im mittleren und südlichen Afrika, kein Interesse, ihre Staatsbürger zurückzunehmen.

Zum einen wären diese Menschen in ihrem Heimatland oft arbeitslos und trügen dadurch Konfliktpotenzial in ihre Staaten, zum anderen überweisen sie aus Europa oftmals Geld an ihre Familien in der Heimat – ein nicht zu unterschätzender wirtschaftlicher Aspekt.

Nordafrikanische Länder wie Marokko und Tunesien sind hingegen daran interessiert, dass ihre Beziehungen zu Europa nicht immer nur durch die Migrations-Brille betrachtet werden. Sie möchten auch beim bevorstehenden Gipfel von EU und Arabischer Liga als Partner wahrgenommen werden, strategisch und wirtschaftlich. Dass sie ihre Landsleute nun häufiger zurücknehmen, ist eine gute Begleitmusik für eine Normalisierung der Beziehungen.

⇥politik@lr-online.de