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| 01:19 Uhr

Einstige Gegner feiern D-Day gemeinsam

Arromanches.. Genau 60 Jahre nach dem D-Day haben die einstigen Weltkriegsgegner gestern erstmals gemeinsam der Landung der Alliierten in der Normandie gedacht. Im nordfranzösischen Küstenort Arromanches war Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) als erster deutscher Regierungschef bei der Gedenkfeier zum 6. Juni 1944 zugegen.


Der französische Staatspräsident Jacques Chirac pries die deutsch-französische Aussöhnung als Vorbild für die Völker der Welt auf dem Weg zum Frieden. "Schon seit mehreren Jahrzehnten bauen diese in der Vergangenheit unbelehrbaren Feinde gemeinsam ihre Gegenwart auf", sagte Chirac vor mehr als 20 Staats- und Regierungschefs in Arromanches bei der internationalen Zeremonie zum Gedenken an die alliierte Landung in der Normandie vor 60 Jahren am 6. Juni 1944.

Historische Zäsur
Mit der erstmaligen Teilnahme des deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder und des russischen Präsidenten Wladimir Putin markierte der 60. Jahrestag des D-Days eine historische Zäsur. "Ich habe gewünscht, dass Deutschland sich mit uns an diese Stunden erinnert", als Europa wieder vom Ideal der Freiheit erfüllt worden sei, sagte Chirac in Arromanches. Das deutsch-französische Beispiel zeige, dass "ein Weg zum Frieden immer möglich" sei. Vor Russlands Präsident Putin und US-Präsident George W. Bush hob Chirac zudem den Beitrag der Roten Armee zur Befreiung Europas vom Nationalsozialismus hervor.
Schröder erklärte, "die Narben der beiden Weltkriege" hätten "den Völkern Europas, besonders dem deutschen Volk, eine andauernde Pflicht auferlegt: Rassismus, Antisemitismus und totalitären Ideologien zu widerstehen". Europa trage Verantwortung dafür, "dass Kriegstreiberei, Kriegsverbrechen und Terrorismus auch anderswo keine Chance haben". Er fügte aber hinzu, die Deutschen seien nicht leichthin bereit, zu militärischen Mitteln zu greifen.
Anders als vor den Gedenkfeiern ging kein Redner ausdrücklich auf den Irak ein. Auch Bush, der zuvor die Landung der Alliierten mit dem Irak-Krieg verglichen hatte, reichte den Europäern nur allgemein die Hand zu weiterem gemeinsamen Engagement: "Unser großes Bündnis für die Freiheit ist stark und heute immer noch nötig", sagte Bush auf dem Soldatenfriedhof in Colleville. Dort fanden 9386 US-Soldaten ihre letzte Ruhestätte, die am 6. Juni 1944 an der Landung am Strandabschnitt "Omaha Beach" teilgenommen hatten. "Amerika würde dies für seine Freunde wieder tun", versicherte Bush.
Chirac betonte ausdrücklich die Bedeutung der UN-Charta als Garant einer Weltordnung des Rechts und der Achtung des Menschen. Als Verfechter einer multilateralen Konfliktbewältigung hatte Frankreich den ohne Zustimmung der UN geführten Irak-Krieg abgelehnt.
Schröder nannte den D-Day einen guten Tag, um Frankreich und den Verbündeten zu danken. "Aus nationalsozialistischem Irrsinn ist europäische Partnerschaft geworden." Er erinnerte an das Blutbad der Waffen-SS im südwestfranzösischen Dorf Oradour. "Wir in Deutschland wissen, wer den Krieg verbrochen hat", sagte er.
Englands Königin Elisabeth II. nannte "die Invasion Frankreichs 1944 eine der dramatischsten Militäraktionen der Geschichte". Mit der größten Truppenanlandung aller Zeiten hatten die Alliierten am 6. Juni 1944 die Niederlage Nazi-Deutschlands entscheidend beschleunigt. Bei den Schlachten waren 60 000 alliierte und 75 000 deutsche Soldaten sowie 20 000 Zivilisten umgekommen.

Hunderttausende Schaulustige
Die Ehrungen für die Kriegstoten und die noch lebenden Veteranen des D-Day hatten am Samstag begonnen. Dutzende Veteranen wurden in die französische Ehrenlegion aufgenommen. Insgesamt kamen tausende Veteranen und hunderttausende Schaulustige zu den Gedenkveranstaltungen. Mehr als 1000 alliierte Fallschirmjäger hatten am Samstag mit Absprüngen über der Normandie den Startschuss für die D-Day-Feiern gegeben.
Die Gedenkfeiern wurden von 20 000 Soldaten und Polizisten geschützt. Vor der Küste kreuzten Flugzeugträger und die Landesgrenzen wurden wieder kontrolliert. (dpa/AFP/kr)