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| 19:13 Uhr

Leitartikel
Einsicht als Ablenkungvom eigenen Versagen

 Guido Bohsem
Guido Bohsem FOTO: LR
Warum Donald Trump im Streit um den Haushalt auf einmal nachgegeben hat, bleibt unklar. Erreicht hat er nichts in den vier Wochen, in denen die Bundesverwaltung der größten Wirtschaftsmacht der Welt aus vermeintlichem Geldmangel geschlossen blieb, die Mitarbeiter der Ministerien und Behörden kein Geld bekamen und manche sogar auf Lebensmittelspenden angewiesen waren, um über die Runden zu kommen. Von Guido Bohsem

Bewegt hat ihn wohl die Einsicht, dass dieser Kampf nicht mehr zu gewinnen war. Nach jüngsten Berechnungen hat dieser „Shutdown“ der Regierung deutlich mehr Geld verbrannt als die 5,6 Milliarden Dollar, die Trump zum Bau seiner Mauer an der mexikanischen Grenze vom Kongress erhalten wollte. Er hat zudem seinen Umfragewerten massiv geschadet, weil die Amerikaner die Verantwortung für eine solche Eskalation immer zuerst bei der stärksten Figur sehen, dem „Commander in Chief“ – dem Präsidenten.

Wahrscheinlich wollte Trump mit seinem Einlenken zudem auch von der Festnahme eines weiteren engen Vertrauten im Rahmen der Russland-Ermittlungen ablenken. Es wäre nicht das erste Mal. Auch den Abzug der amerikanischen Truppen aus Syrien verkündete er just als es für ihn wieder mal enger wurde in der Russland-Affäre. Die Zeichen von Panik sind unübersehbar.

Und doch ist es zu früh, um sich auf eine Abwahl im kommenden Jahr zu freuen. Trumps Anhänger blenden die schlechte Regierungskunst und die ungeheuerlichen Skandale weiterhin konsequent aus und die Demokraten haben trotz des Erfolges im Ringen um die Mauer zu Mexiko bislang keine überzeugende Strategie gefunden, Trump aus dem Weißen Haus in Washington zu treiben.

⇥politik@lr-online.de