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| 01:02 Uhr

Einnahmen der Kirche sinken

berlin.. Wenn es ums Geld geht, werden selbst nüchterne Protestanten poetisch. Benjamin Lassiwe

Auch der Vizepräsident der westfälischen Kirche, Klaus Winterhoff, bediente sich beim ostpreußischen Dichter Martin Opitz, als er den Haushalt der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in die Synode einbrachte: "Oh Geld, du Sorgenkind, du Vater falscher Herzen, dich haben bringt Gefahr, dich nicht haben bringt Schmerzen." In Gefahr, zu Grunde zu gehen, sind Deutschlands Protestanten vorerst nicht - die Schmerzen des fehlenden Geldes hingegen können aber viele Christen nachvollziehen.
Denn das Kirchensteueraufkommen der evangelischen Kirchen in Deutschland hat den niedrigsten Stand seit Anfang der 90er-Jahre erreicht. 2004 wurden nur noch 3,66 Milliarden Euro eingenommen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Rückgang von 8,3 Prozent. Im laufenden Jahr rechnet die EKD mit einem Rückgang von weiteren 2,5 Prozent. Da der größte Teil der Kirchensteuern an die Landeskirchen und Ortsgemeinden fällt, stehen der EKD in ihrem Haushalt für 2006, der heute von der Synode beschlossen werden soll, nur noch 164,7 Millionen Euro für ihre bundesweiten Aufgaben zur Verfügung. Die Gründe sind bekannt: Zahlreiche Kirchenmitglieder sind arbeitslos oder Rentner und damit nicht mehr kirchensteuerpflichtig. Bundesweit zahlen nur noch 40 Prozent der Protestanten Kirchensteuer, in Berlin und Brandenburg sind es 50 Prozent. Möglicherweise müssen die Übrigen bald einen jährlichen Festbeitrag zahlen. Ein entsprechender Vorschlag wurde von mehreren Synodalen gemacht - noch traf er auf wenig Widerhall.
Inhaltlich widmete sich die heute zu Ende gehende Tagung vor allem dem Thema Toleranz. In einer Resolution wollen die Synodalen eine tolerantere Gesellschaft fordern, wobei freilich von vielen Rednern klargestellt wurde, dass Toleranz nicht bedeuten könne, das eigene Profil aufzugeben. "Es geht gerade darum, die Klarheit des eigenen Standpunkts mit dem Respekt vor anderen Menschen und ihren Auffassungen zu verbinden", erklärte das EKD-Ratsmitglied Hermann Gröhe.