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| 13:35 Uhr

Post aus Potsdam
Einfach mal singen . . .

FOTO: LR / Redaktion
Die SPD hat 30 Jahre lang in Brandenburg die Politik geprägt. Alle drei Ministerpräsidenten, die das Land seit der deutschen Wiedervereinigung regiert haben, hatten ihr Parteibuch. Von Benjamin Lassiwe

 Wie es am 1. September aussieht? Man weiß es nicht. Die Umfragen jedenfalls sehen die Sozialdemokraten einen Monat vor der Wahl nicht mehr als stärkste Kraft. Und auch innerhalb der einst stolzen Regierungspartei kann man bei genauem Hinhören schon das eine oder andere Zähneklappern hören.

Da passt es gut, dass Brandenburgs Sozialdemokratie nun eine eigene „Historische Kommission“ ins Leben gerufen hat. Das Gremium soll sich mit der Geschichte der SPD im Land beschäftigen – mit den vergangenen 30 Jahren, aber auch mit der SPD in Kaiserreich und Weimarer Republik. Und der Verfolgung der Sozialdemokraten durch die Nationalsozialisten. Immerhin war Otto Wels, der 1933 die einzige Rede gegen das Ermächtigungsgesetz des Hitler-Regimes im Reichstag hielt, Abgeordneter des Wahlkreises Calau-Luckau und Brandenburger Parteisekretär. Zu erforschen gäbe es also wahrlich genug, gerade in einer Zeit, in der die Bundes-SPD ihre „Historische Kommission“ abgeschafft hat.

Und doch wirkt der Zeitpunkt der Kommissionsgründung denkwürdig: Mitten in der „Woidke-Dämmerung“ erinnert man sich an die glorreiche Vergangenheit.

Dazu passt auch eine kleine Anfrage, die der CDU-Abgeordnete Jan Redmann kürzlich im Landtag stellte: Unter dem Titel „Operation Abendsonne“ erkundigte er sich nach Last-Minute-Beförderungen für treue Sozialdemokraten. Aber so ist es eben, wenn eine Ära zu Ende zu gehen droht. Die Stimmung wird düster, die Laune schlecht. Vielleicht sollte die SPD deswegen einfach einmal wieder fröhlich singen.

Denn wie heißt es noch gleich in einem alten Arbeiterlied? „Wann wir Schreiten, Seit an Seit [...] Mit uns zieht die neue Zeit!“